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Brief von Raoul Hausmann an Hannah Höch, Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Hannah Höch (1889 - 1978)

  • TitelBrief von Raoul Hausmann an Hannah Höch, Berlin
  • Datierung06.08.1916
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang2 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 806/79
  • Andere NummerBG-HHE I 8.40
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
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„6. August 16
Meine Liebste, süße Liebste, manchmal weht mich ein Wind von der See, ich weiß Dich Dunkle in einem unendlichen Blau. Ich grüße Dich von weitem.
7. August 16.
Heute morgen kam Dein Brief, Liebste. Den meinen wirst Du jetzt wohl auch haben. Wenn es dort nur noch echter wäre - ich glaube, Du würdest dann für die See - die Berge geben. Wir wollen mal an der See wohnen - wenn wir Beide aus unserer Bergheimat vertrieben sind. - Karl Ehrenstein[1] hat also nicht einrücken müssen? Oder auch erst 15. Okt.? - Du schreibst von Deiner Schwester? Ich lasse sie herzlich grüßen. - Du, jetzt sei Du politisch - hilf ihr doch! wenn sie so durcheinander ist. Wozu hast Du so viel erlebt - wozu haben wir diese Dinge zuerst erlebt, zuerst die Gesetze geahnt und gefunden? Bring sie auf den Weg. Zeige ihr doch: wenn ein besonderes Weib das Glück hat, einen besonderen Mann zu treffen - dann darf sie um sich und der Zukunft willen sich nicht bedenken, nicht nach rückwärts bedenken! Ihren Ursprung kann sie nicht verlieren, der muß ihr so sicher gehören, über alles und jedes hinweg! Den Ursprung verliert man nicht, an den braucht man sich nicht ängstlich halten - wenn man in noch so große Fernen geht! Manchmal erfährt man dann, daß man sein eigner Ursprung ist. -

Schreibe mir doch mal, wie es einem [unleserlich] geht? Ob Du es nicht vergißt?
- Ich sende Dir die eine Blitzlichtaufnahme mit, sehe ich nicht aus, wie der Wolf im Schafstall? Die andre Aufnahme ist nichts geworden. - Übrigens, wenn Du Lust haben solltest zu schlafen, viel, lange, dann laß Dich von Deiner Mutter darin nicht stören. Wie lang bleibt Deine Mutter? Wenn bis Ende, dann wird sie meine Ankunft wohl nicht erbauen!
Jetzt will ich Dir noch sagen, daß ich Dich lieb hab, dann aber fort mit dem Brief, damit Du ihn womöglich morgen hast!
Ich bin Dein R.“

[1] Karl Ehrenstein (1892-1971), Schrifsteller. Bruder von Albert Ehrenstein. Grete Höch war von 1916 bis 1920 mit ihm befreundet.