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Brief von Raoul Hausmann an Hannah Höch, Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitelBrief von Raoul Hausmann an Hannah Höch, Berlin
  • Datierung28.05.1917
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 777/79
  • Andere NummerBG-HHE I 9.23
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

„28. Mai 17.
Mein Liebes / wie war denn die Reise? Nach den Zeitungen soll es entsetzlich gewesen sein. - Wie unbegreiflich unser »Dasein« ist, das fühlte ich gestern, als Du auf dem Bahnsteig nach dem Zug gingst - ich sah Dich noch 2mal winken, dann nichts mehr, und trotzdem ich noch die Viertelstunde bis zur Abfahrt des Zuges wartete und Dich irgendwo zu entdecken suchte - ich sah Dich nicht. Für den Inhalt des Paketchens Dank. Wenn es Dir in Gotha gut geht, freut mich das, und ich hoffe, es geht Dir gut. Da wir doch alles »Vorher« vergessen wollen, ja? - Ich hatte vergessen, Dir zu erzählen, daß ich Friedlaender geschrieben hatte, sehr formell auf einer Postkarte, er möge seine so sehr kostbare Zeit nur für seine Freunde reservieren, zu denen ich mich nicht mehr zählen wollte, hochachtend; er schrieb mir einen langen Brief, in dem er mir alles mögliche auseinandersetzte (ich lege ihn Dir bei), darauf antwortete ich ihm, daß es gut wäre - nur hätte er meinen empfindlichen Punkt respektieren müssen, man dürfe mich nicht heimtückisch und bösartig nennen. (Für Dich: ich bin da so empfindlich, weil ich es manchmal eben doch bin - aber ich will es ja nicht sein) Ich lege noch einen Zeitungsausschnitt bei über die Neue Jugend.[1] In den nächsten Tagen werde ich malen - vielleicht auch schreiben. Schreibe mir! Auf Wiedersehn »Fröhlich, zu freiester Tätigkeit nach göttlichen Gesetzen«[2]
Dein R

Religion: das Außer Uns, Über uns, nicht Du, sondern der Vater; Jenseits-hinter Dir, nicht Du Gott in der eignen Brust. Bisher immer Gott als Gattung, Ding an sich; obendrein falsch gefaßt als Mann, männliches, Abgezweigtes; statt neutral, ein-Polig, statt des Ursprungs der Pole.“

[1] Neue Jugend: Wochenausgabe Nr. 1 (Mai 1917) / Hg. Helmut Herzfeld. Berlin: Malik-Verlag. Die Wochenausgabe Nr. 1 war am 23. Mai 1917 erschienen. [2] Zit. nach Walt Whitman: The One’s- Self I Sing in der Übersetzung von Raoul Hausmann, vgl. BG-HHE I 9.22.