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Brief mit Manuskript von Raoul Hausmann an Hannah Höch, Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitleBrief mit Manuskript von Raoul Hausmann an Hannah Höch, Berlin
  • Date10.05.1917-30.05.1917
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount2 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 776/79
  • Other NumberBG-HHE I 9.24
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

„30. Mai 17
Mein liebes Kleines Deinen Brief erhielt ich heute - wir hatten also beide an verschiedenen Objecten festgestellt, daß alle schlafen. - Nachfolgendes sei so lieb mir abzuschreiben (ohne Datum vielleicht Teil 1 als Teil 3, zuletzt). Mir geht es seit Pfingstmontag schlecht, ich kann das Brot nicht mehr vertragen, hatte fortwährend Durchfall, und mußte heute erbrechen. Nach der Zeitung gibt es in »England« Todesfälle an Brot durch Entzündung innerer Organe. - Was kommen muß, das siehst Du aus der beiliegenden Zeitung, die Du mir bitte aufhe- ben willst. Auf Wiedersehn so bald als möglich!
Kuß Dein R“.

Manuskript
27.5.17
„Aus der Sphäre der innersten, höchsten Realität fließt alles »Wirken« in die Realität der »Welt« als einer Fiktion. Die Auswirkung in der Welt-Menschlich- keit; Zeit-Welt überhaupt gehorcht der Stimme des Geistes, der wahren Realität, die »Sinn« »Bedeutung« »Wert« ausstrahlt und zurückstrahlt, erkennen läßt durch das Spiel »sinnloser« Organe »Zufall«, die unerschütterte Richtquelle, ewige Schöpfer-Person, Geist-Gott,//
//
28.5.17
Nur die Realität der Geist-Sphäre ist wirklich. Die Realität der »Welt« ist Schein. Die Balance der Geistsphäre, das innerste Ich Gott-Person, darf darum nicht zur Täuschung führen: die Mensch-Person sei mit ihr identisch - erkannt muß werden ihr ungeheuerer Gegensatz, ihr Zusammenhang als Durchdringung der Welt durch Geist.

10.5.
Der Organismus: Mensch, auf dieser Erde, die tausendfach verflochtenen, sich durchkreuzenden Gedankensysteme, (Regierungsformen, Kapitalwirtschaft, bürgerliche Gesellschaft als ebensoviele Machtwillen) bilden ein Geistreich so ungeheuer schwer erschütterbar, beharrend, daß seine Fehler, Änderungen, die daraus sich erzwingen, (Weltkrieg, nur zeitlich aufgefaßt: Regenerationsprozeß) sich dem Gottgeist entgegenstemmen, balancierend, dem Bewußtheitsblitz in der Gott-Person langsam, ausweichend Waage halten, seine Realität zuerst über- täubend in der Welt. Der Führer im Geist-Reich besitzt unmittelbar sofort den Sieg; die Materie, Mensch-Realität bedarf noch langer, blutiger Besinnung - in diesem ewigen Augenblick steht die wahre Welt, als einem Zugleich und Gegeneinander von innerstem Sein und äußerem Geschehen, auf der Schneide des Traumes - zum Erwachen. Die Erkenntnis der scheinbaren Ohnmacht, weiterwirkenden Macht des gespenstigen Geisterreichs, der Fiktion, der Isolation des Menschen - umkehrend in Besitzergreifung, den neuen am Geisthimmel erscheinenden Geist-Staat, Idee der Neuschöpfung des Menschen, grenzenlose All-Verantwortung ist das ewige Wirken des Geistes, Gottes im Menschen, auf der Erde; als solche ewig neu; wiederkehrend.“

Publ: Das Manuskript erschien unter dem Titel Notiz in der Aktion 7.1917, Sp. 421-422 und wurde im Prospekt des Verlags Freie Straße: Club Dada, Berlin im März 1918 veröffentlicht.