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Brief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitelBrief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Datierung03.11.1917
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 784/79
  • Andere NummerBG-HHE I 9.52
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

„3. Nov. 1917
„Du sagtest an der Tür: ob ich glaubte, daß Du nach dem Brief öffnen würdest. Grade nach dem Brief. Denn er wäre unnötig gewesen, wenn Du selbst soviel Güte besäßest, einzusehen, daß Du über jedes Maß wütend warst, und nicht mit mir essen gehen wolltest. So wütend, wegen einem Scheißdreck, daß Du absichtlich mein Zurückkommen und am Arm packen als Roheit auffaßtest, statt als Zurückkommen. Du bist auch in den letzten Tagen seit Sonntag nichts als böse und beleidigt gewesen - Sonntag hast Du mich gequält, obzwar ich schwach war, Montag hast Du mich gequält, was frage ich, hast Du eigentlich.

Sonntag Vormittag werde ich Sie[1] nochmals zu Dir schicken, Du kannst ihr dann Antwort geben: ja oder nein. Wenn nein, bitte ich Dich, ihr den Band 2 der Dämonen[2] mitzugeben.
P. Altenberg: Religion / »Sie dachte: ich will leben für dieses heilige Welten- Gehirn des Mannes, das der Welt endlich den Frieden bringen soll nach Jahrhunderten des Chaos, für das Bismarck-Gehirn der Welt, das endgültiges Licht brächte ins Dunkel, Ordnung in die Wirrnis! Ich will daher, daß jede meiner Bewegungen ihn beglücke, ihn leicht froh und arbeitsfreudig und menschenfreundlich erhalt, der Atem meines Mundes, die Form meiner Brüste, der Duft meiner Haare, und was sonst noch an mir ist. Kraft und Freudigkeit will ich ihm bringen, daß er an seiner Mission arbeiten könne, die Welt zu erlösen von ihren Lügenhaftigkeiten! Mit meinem Leib, diesem bezweckten Geschenke Gottes, will ich ihn reicher und reicher machen, da ich denselben nur mitbekam, um aus diesem Menschen ‹Mann› den Menschen ‹gottähnliches Wesen› zu machen!« -
Das ist so ungefähr nötig.“
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[1] Elfriede Hausmann-Schaeffer. [2] F. M. Dostojewski: Die Dämonen. 1872.