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Brief (Abschrift) von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitelBrief (Abschrift) von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Datierung14.01.1918
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang2 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-Ar 6/2002,95
  • Andere NummerBG-HHE I 10.2
  • CreditlineSchenkung, 2002
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
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Abschrift von Hannah Höch.
„14. Jan. 1918
Was ist der Engel der Verkündigung?
In dem Mysterienspiel der Geburt Christi, des Menschensohnes?
Was ist Maria, die Jungfrau, die nichts weiß von Josef, dem Manne?
Dieser Engel der Verkündigung möchte auferstehen in Dir, zu sagen: »Siehe Gott ist Mensch geworden, und sieben Schwerter werden zuvor Dein Herz durchbohren!«
Aber im Menschlichen, nicht im Mythologischen!
Und vor der Verklärung durch diese höchste Wahrheit der Realität und des Daseins - da wird: Mensch: heute fahnenflüchtig! Ihr seid alle fahnenflüchtig vor der Verwirklichung eures innersten Mythos von Gott und Gottes Sohne; vor der Überwindung eurer Sehnsucht bis in die Wirklichkeit der Wahrheit! Weil der Weg: sieben Schwerter durch eure Herzen heißt!
»Die Revolution heißt heute: macht Wahrheit und Wirklichkeit aus dem Mythos eurer Wünsche und fernsten Sehnsüchte - macht wahr eure Dichtung!« Diese Feigheit und Fahnenflucht liegen Deinem Widerstand zu Grunde - denn was ist hier noch Jungfräulichkeit und Sexualität? Und da Du Dein Ziel kennst - wer auf dem Weg stolpert und fällt und nicht auf stehen will: der [haßt] ungläubig und feige!

Und da Du mir mit allen Sinnen und körperlich vertraut hast - da mußt Du schon weitergehen, und auch Deinen Intellekt als Ab-Wehr aufgeben! Und glauben, was Du bezweifelst. Daß ich Dir Ruhe bringen will! Weil ich getroffen war am ersten Tage schon: von Deinem Wunsch aus der Unruhe heraus!
Und weil Du noch nach der Beruhigtheit Deines früheren Lebens trachtest: Ruhe ist aber Beherrschen der Abgründe, ein Glanz darüber!“