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Brief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitleBrief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Date12.06.1918
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount2 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 726/79
  • Other NumberBG-HHE I 10.43
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description

[Hausmann wirft Hannah Höch Selbstgerechtigkeit und Verschlossenheit vor.]
„[...] Sieh mal - Du bist, wie man so sagt, eine »spröde Natur« und begreifst von einem Mann noch nicht sehr viel - und ich gebe für mein Teil zu, daß ich Dir theoretisch und nicht weich genug gegenüberstehe. Gestern aber - das hättest Du sehen sollen, war ich durchaus nicht erfreut durch das, was ich mit Baader über meine Lage festgestellt habe. Und da konnte ich nachher nichts mehr vertragen. Verstehe doch, woran man als Mann leidet, wenn man keine Null ist - daß ich nie zu etwas komme und auch jetzt ist alles wieder verdorben. Begreife doch (auch nach dem, was ich gestern Vormittag zu Dir sagte,) wie müde ich bin und wie deprimiert, daß es auch mit uns nicht geht ( - was ist Damaskus[1] gegen uns - und soll auch dabei nur das »Kloster« oder die »Einsamkeit« das Ende sein?) So daß ich auch nicht mehr weiter kann - nicht nur Du! Und daß ich die »Dummheiten« wie jeder Mann machte - weil ich mich zerstören wollte - um andre Verhältnisse zu erzwingen - weil die mich erdrücken! Hilf doch dazu, uns zu bezwingen - statt nur auf das »Unrecht« zu sehen! Meinst Du, wenn Du wirklich eine Zeit Unrecht schweigend leiden würdest - ich würde nichts sehen und Deine Überwindung würde für uns keine Früchte tragen? Ist Dein Vertrauen so gering? - Ich erwarte Dich um 3/4 12 Uhr!//
R.//
Soll ich Dir nochmal sagen, daß ich Dich liebe und daß ich Dich deshalb zeitweilig hasse - weil Du Angst vor mir hast, statt mich gütig, aber fest anzufassen. Liegt Dir überhaupt etwas an unserer Liebe? Ich habe menschliche Manko’s - aber Du machst mich böser!“

[1] Vgl. August Strindberg: Nach Damaskus (1898-1904). Deutsche Ausgabe erschienen bei Georg Müller, München und Leipzig, 1918.