Resultate:  1

Brief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitelBrief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Datierung14.06.1918
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang4 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 728/79
  • Andere NummerBG-HHE I 10.44
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

„14. Juni 1918.
Als ich Deine Paketadresse erhielt - schrieb ich die nachfolgenden Blätter. Aber inzwischen habe ich eingesehen, daß das ja alles Unsinn ist. Du weißt so wie ich, daß wir uns lieben, und ohne einander nicht leben können - und da sehe ich doch, daß Deine Hemmungen und meine Ausfälle nur Hilflosigkeiten sind - die weder unser Körperliches noch unser Geistiges berühren. Wir wissen doch beide, warum wir leiden - und müssen eben den Mut haben, weiter zu ringen
- um unser Ziel. Auch wenn es manchmal versinken will. Den unbedingten Glauben an Dich habe ich - habe auch Du den zu mir. Weder Du noch ich sind ohne Fehler. Und darum müssen wir uns vergeben - oder jetzt Du mir. Aber uns nicht mehr und tiefer verwunden, als es sein muß. Laß uns gut sein! Unser wirkliches Erleben und unser wirklicher Kampf geht ja nicht nur um uns - der ist für Alle. Und da dürfen wir nicht schwach werden! Sei gut! - Übrigens ist sowohl unser Heft wie auch das Manifest[1] polizeilich beschlagnahmt. Schrimpf schreibt aus München, daß er auch immer verhört wird, und auch Jung wird beobachtet. Also Spaß ist das schon keiner -
Sei gut - glaube an das Menschliche - trotz allem - und an das hohe Ziel, das Du hast - und hilf dazu
wir wollen und müssen - auch ich leide - aber nicht verzweifeln und wegwerfen sondern hoch halten - weil unsere Leitgedanken weit über dem Augenblick stehen! Sei gut! Ich lasse Dich nie los!
R.
[...]“
[Raoul Hausmann wirft Hannah Höch Feigheit, mangelnde Großzügigkeit und Güte vor.]

[1] Sowohl der Club-Dada-Prospekt des Verlags Freie Straße als auch das Dadaistische Manifest wurden beschlagnahmt.