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Brief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitelBrief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Datierung15.06.1918
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben, maschinengeschrieben
  • Umfang3 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 720/79
  • Andere NummerBG-HHE I 10.45
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

[Der Brief enthält Abschriften von früheren Briefen Hausmanns an Hannah Höch (15.3.1918 und 28.4.1918). Hausmann nimmt Stellung zu Hannah Höchs Vorwurf der »Doppelehe«. Erneut beschwört er eine neue Form der Gemeinsamkeit.]

„[...] Nur daß una cum uno[1] als Zwei, Allein, isoliert, verloren sind: das Leid der Mitlebenden frißt sie auf, wenn sie sich der eigenen Auflösung in den Ändern entziehen. [...]
Sei doch so gerecht, daß Du siehst: Du läufst immer voll Angst davon, statt gegenüber zu stehen! Daß Du mich Mittwoch vor 8 Tagen zurückstoßen wolltest wegen E. S.[2] war unrecht - Du hast mich aber diesen Mittwoch, wo ich ruhig sein wollte, bestraft und ausgesperrt - das war auch schlecht - also: Du hast doch auch Fehler gemacht! Und da mußt Du doch verzeihen, oder wenigstens Dir sagen, daß ich schon irritiert sein konnte und Deine Hilfe mehr als alles andre gebraucht hätte - gerade Mittwoch Abend! Du weißt, was ich von Dada erhoffte: das ist in den letzten 8 Tagen zum Teufel gegangen - und Leute wie F. Müller[3] - denen gelingt alles! Begreife doch, in welcher Situation ich bin! Und dann: auch Andre leiden wie wir. Die Öhring[4] sagte mir gestern: manchmal möchte sie sich töten - dann hat sie aber wieder Angst, etwas zu versäumen - aber es wäre schrecklich in Grünau. Jeden Tag Zusammenbrüche, Jung wäre darum jetzt verreist, seine Frau mache alles an ihm entzwei - er laufe dann in den Garten und beiße sich in die Hände - voriges Jahr habe er noch getobt - und Frau Jung schimpft dann, daß er garnichts sei und nie helfen könne - aber, sagt die Ohring - sie täuscht sich, und wenn Jung es nicht mehr mit ansehen könne, wie unwahr die Frau sei - sich vor Schmerzen winde - ja kann man dann noch etwas von ihm verlangen? Und zu ihr (Öhring) wäre er auch schrecklich jetzt, er spräche nichts mehr - sie wüßte nicht mehr was tun und liefe auch weg - aber sie wolle immer wieder und wieder versuchen. - Ja - wollen wir nicht stärker sein?“

[1] Elfriede Hausmann-Schaeffer.
[2] Vgl. 8.32.
[3] Conrad Felixmüller.
[4] Cläre Öhring, geb. Otto war die Lebensgefährtin von Franz Jung. Franz Jung, seine Frau Margot Jung und Cläre Ohring lebten zeitweilig gemeinsam in Grünau, einem Vorort von Berlin.