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Brief von Raoul Hausmann an Hannah Höch, Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitleBrief von Raoul Hausmann an Hannah Höch, Berlin
  • Date11./12.08.1919
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount2 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 709/79
  • Other NumberBG-HHE I 12.38
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

„Montag.
Ich will wieder gesund werden, ohne zu hassen oder zu lügen. Dabei kann ich mir nicht Vorreden, daß der Grund zur Lüge nur in Dir gelegen hätte. Aber das Vertrauen muß tiefer sein - so daß man Betrug nicht denken kann. Betrug kommt aus Besitz, wie Haß. Ich will nicht mehr hassen, und ich will auch nicht naiv-grenzenlos frei sein - aber ich will in Freiheit Menschen verbunden sein. Ich will in Dir ruhen können, weil ich Welt bin in Dir als Welt, (und was an mir als Besitz hängt, mag bei Dir im Haus bleiben weil es bedeutungslos sein muß,) aber Heimat als Heim und Enge kann ich nicht kennen. Darum soll doch die Sicherheit in uns ganz wahr und ruhig sein. Nur um Besitz zittert und haßt man. Ich will mich um nichts drücken - aber gerade darum wollen wir allen Zwang aufgeben.
Betrogen habe ich Dich nicht von Anfang, denke an den Whitman[1], den ich Dir gab. So fühlen zu können glaubte ich bei Dir. Aber bald wurden wir Beide enger. Wir dürfen aber so nicht bleiben: und noch einmal sage ich zu Dir, wir wollen frei sein ohne die tiefe Verbundenheit zu leugnen. Auch dann nicht sie leugnen, wenn wir 4 Jahre Falsches an und durcheinander erfuhren.
12.8.19
Hanning, heute kam Dein Telegramm um 1 Uhr Mittags. Ich kann erst am Freitag oder Sonnabend in Gribow[2] sein, die Konferenz ist auf Donnerstag verschoben worden. Dann allerdings warte ich nicht länger. - Geld scheine ich von Rilla[3] nicht zu erhalten. Ich bin jetzt dabei, meinen neuen Aufsatz von etwa 20 Seiten[4] zu diktieren. Ich bringe ihn dann mit. Baader wollte heute hier sein ist aber auch nicht da. - Wenn das Wetter schön wäre, würde ich mich freuen. Papier hast Du ja, mit einem Apparat wird’s auf so lange wohl nichts werden.
- Post & Zeitung wird besorgt, essen gehe ich, also ich komme schon so hin. Auf Wiedersehn R“
[Kußzeichen].
[1] Gedichte von Walt Whitman, vgl. Nrn. 6.11; 6.12.
2] Hannah Höch hielt sich vom 11. August bis 1. September in Gribow, einem Ort in der Nähe von Kolberg an der Ostsee, auf.
[3] Walter Rilla (1899-1980), Herausgeber der Zeitschrift Die Erde.
[4] Raoul Hausmann: Bilanz der Feierlichkeit. Wurde in Heft 16/17 der Zeitschrift Die Erde veröffentlicht.