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Brief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitleBrief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Date19.06.1919
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount2 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 710/79
  • Other NumberBG-HHE I 12.31
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

„19.6.19.
Daß Du so, so sein konntest - mit dem Selbstbetrug, es sei zu »spät« - mit solcher stinkenden Faulheit - denn zu spät darf nie ein Mensch sagen. Aber wenn ich’s überstehe, dann werde ich mich rächen. Nicht an Dir. Du geh hin und sei frei. So lieb ich Dich. Ich sehe, es ist bei Dir nur böser Wille, aber geh und sei frei und unbesorgt. Aber daß es im Innersten eine Lüge ist, daß »alles aus« sei, daß Du nichts mehr geben kannst, das weiß ich genau so gut wie Du. Wär es anders, wäre alles wirklich vorbei bei Dir, dann würdest Du nicht elend ausse- hen - dann würde es Dir gleichgiltig gewesen sein, wie mein Unterarm aussieht - o wie Du Dich selbst belügst. Ebenso war es nicht gemeine Sinnlichkeit, daß Du Dich mir hingabst. Denn ich war dabei ganz rein - und Du hättest dann mich bedreckt. Aber Deine Mitschuld an mir hast Du ja immer abgeleugnet. Geh und lebe ohne mich - Du wirst es schon noch merken, wie das ist. Und darum ist das jetzt stinkender Selbstbetrug.
Aber wie gesagt: sei frei von mir. Dich liebe ich auch wenn Du mich haßt. Aber rächen werde ich mich an den Schweinen, die man Menschen nennt. Oh, über auch Deine verfluchte tragische Einstellung, die Dich hemmt und unwahr macht
-Geh!
Du logst gestern, daß ich Dir leid täte: warum hast Du mir keinen anständigen Brief geschrieben?
Das war ich wohl noch wert.
Du! Du!
Hätte ich Dir nicht die Wahrheit gesagt - dann wärst Du heute wieder ganz gut zu mir - aber die Wahrheit hast Du immer geflohen!//
Ein aufrechter starker Mensch ist gläubig - durch alle »Höllen« durch, die er als notwendig unvermeidlich erkennt. Nur kranke Schwächlinge sagen: zu spät - und geben den Sinn ihres Lebens auf, wie Du Deinen Sohn aufgibst.“