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Brief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Prag
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitelBrief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Prag
  • Datierung03.03.1920
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang2 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 699/79
  • Andere NummerBG-HHE I 13.10
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

„3. März 20 Liebe Hanna
morgen Früh 7.13 fahren wir nach Karlsbad, treten am 5. dort auf, und fahren am 6. nach Dresden, um endlich das restierende Geld von Schönfelder[1] zu bekommen. Von der Soireenwirtschaft haben wir genug, z. B. gestern haben wir wie die Holzhacker gearbeitet, die noblen prager Jüden blieben aber nobel und fanden alles sehr langweilig, was sie uns auch durch Diskussionsredner zum Ausdruck brachten. Ich finde, in dies Land der Waden, Hintern und Doppelkinne gehört Karl Kraus besser als wir. Bei Kraus rennt ihnen ein angenehmer Schauder den Rücken hinab, er bietet ihnen für 10 Kronen den Geist, zu dem sie sich verpflichtet glauben, ist der leibhafte Verdränger ihres schlechten Gewissens - Dada kostet 22 Kronen und bietet keinerlei magische Mezzies. Ich möchte gerne, wenn ich wieder in Berlin bin, mit Dir 1 oder 2 Tänze einstudieren, dann sehen wir zu, damit Geschäfte zu machen, das ist gescheiter als vor diesen Fettklumpen zu schwitzen. Hier im Hotel sind Franzosen, Engländer, Italiener usw., aber besseres Benehmen als die guten Deutschen, haben sie auch nicht. Widerlich sind die Wiener - direkt gemein anzusehen, degeneriert, blöde und aufgeblasen. Der Deutsche ist doch nicht so schlimm, wie ich das immer dachte. - Na, zunächst gehen wir am 20. auf den Nov. Grupp. Ball[2], und vorher hat Hanna sich eine gestreifte Bluse gemacht, und dann gehen wir mal für egal wieviel Geld essen und was Du sonst willst. Vielleicht fahren wir mal auf 8 Tage im April nach Prag, bloß kaufen.//
Grß.Kß.//
R.//
stell Dir das Malheur vor, ich habe extra zum Tanzen wunderschöne blauschwarze Seidenstrümpfe gekauft, 60 Kronen, - Fersen total weg!“//

[1] Konzertagentur. [2] Novembergruppen-Ball (vgl.BG-HHE I 13.12).