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Brief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitleBrief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Date31.05.1920
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount2 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 698/79
  • Other NumberBG-HHE I 13.21
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

„31. Mai 20.
Hanna
Du darfst nicht sagen, etwas Neues muß in mein Leben treten, das kann mir aber R. H. nicht bieten. Gerade das wird Dir kein anderer bieten. Ich habe so wie nie vorher erkannt, daß von Dir immer etwas gefordert wurde, was Du einfach aus Deinem Erleben heraus nicht leisten konntest, weil entweder es heute überhaupt unmöglich ist, oder weil Du in Deinen Beziehungen zu mir nie zu einer Sicherheit gelangen konntest, weil Du mich nie ganz unbeeinflußt für Dich allein hattest. Das ist es, was ich bis heute leugnete, daß es NOTwendig sein muß, als Voraussetzung zu allem einmal möglichen oder Nichtkommenden, daß tatsächlich heute noch zwei Menschen allein einander gehören müssen. Und für dies kann man wohl sagen: ehe, wenn nur rein innerliche Bindungen in Frage kommen. Ich habe es auch E. S. begreiflich gemacht. - Was an mir aber neu ist, ist der Wunsch nach Unbedingtheit, nach einem ganz
EINDEUTIGEN, EINFACHEN -
Ja ist Ja, und Nein Nein. Und das habe ich durch Dich erlebt. Ich habe sehen gelernt, daß das bei Dir innere Bedingtheit, nicht böser Wille war - im Gegenteil, daß Du Dir vieles abgerungen hast, während ich bloß forderte, auch nichts wachsen ließ. Nun, ich weiß, ich kann und darf und will ohne Dich nicht leben. Und heute fällt es mir leicht, ohne Verschleierung, ohne jeden Hintergedanken die Consequenzen zu ziehen - weil diese Gewißheit heute bei mir zum erleben wurde. - Du bist durch alle diese Dinge müde und auch krank geworden, und Du willst und sollst gesund werden - aber Deine Gesundheit kann nur heißen: ein Kind von dem Mann, der nach allem und allem für Dich da ist. Und ich müßte wirklich ein Verräter sein, wenn ich Dir das nicht geben könnte. Ich liebe Dich mehr, als am Anfang unseres Zusammenlebens und als jemals. Und wenn Du sagst, Du könntest Dich schon hingeben - sonst würde ich nicht so sehr an Dir hängen - dann sieh doch, wie ich an Dir hänge und gib Dich auch wieder an mich hin! Ich sage nicht, ich »begreife« Dich und Deine Notwendigkeiten, sondern sie sind in mir Erleben, Gesetz geworden!
R.“