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Brief von Johannes Baader an Hannah Höch. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Johannes Baader (1875 - 1955)

  • TitleBrief von Johannes Baader an Hannah Höch. Berlin
  • Date29.09.1919
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount1 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 75/79
  • Other NumberBG-HHE I 12.44
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

„Ich beehre mich, Dir mitzuteilen, daß ich die Frau[1], zu der Raoul immer wieder zurückkehrt, weil sie der einzige Mensch (außer mir) ist, vor dem er ganz wahr sein darf, seit dem 25. September zur letzten Genossin meines Leibes gemacht habe. Ich erwarte von Dir daß Du dieses Verhältnis in der höchsten menschlichen Weise achtest. Du wirst jetzt Raoul von einer ganz neuen Seite kennenlernen. Schade, daß er (ohne unsere Schuld) gestern nachmittag noch nichts davon wußte, daß wir beide die letzten Konsequenzen unserer jahrelangen Freundschaft gezogen haben. Ich war am Freitag den 26. früh hier in Deiner Stube um ihn zu unterrichten; wählte auch ganz eindeutige Worte; glaubte ihn unterrichtet, und höre heute, daß sein Kindergemüt mein Wort nicht verstanden hatte. Ich beehre mich also nochmals, Dir anzuzeigen, daß die Frau meine Letztvertraute wurde, zu der Raoul nur deshalb immer wieder zurückkehrt, weil sie erträgt, was Du nicht erträgst... Entschuldige; ich kenne die Einwände, die Dir an dieser Stelle kommen; aber Raoul braucht keine Erziehung. Ich habe vielmehr noch immer die Empfindung, daß Raouls brutale Natürlichkeit für Dich notwendig ist, um Dich frei zu machen für das Sehen und Fühlen der Heiligkeit und Reinheit alles Menschlichen Herzlichen Gruß//
Baader
Ai. 29, 415[2]“.//

[1] Elfriede Hausmann-Schaeffer.
[2] Entspricht nach Baaders Zeitrechnung dem 29. September, 4.15 Uhr.