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Brief von Raoul Hausmann an Hannah Höch, Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Hannah Höch (1889 - 1978)

  • TitleBrief von Raoul Hausmann an Hannah Höch, Berlin
  • Date09.08.1916
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount1 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 807/79
  • Other NumberBG-HHE I 8.43
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

„Ein egoistischer Brief 9.8.16.
Liebste
[...] - Vorgestern war ich in Paretz[1], Zierrath hatte mich dazu abgeholt; die Fahrt (Sonderfahrt) kostete 59 Pfennige. Das Schlößchen hat sehr sehr hübsche Zimmer. Von einem schickte ich Dir eine Karte. Aber es gab garnichts zu essen, auch Abends 9 1/2 in Potsdam nichts, dann nur teuer in einem »großen« Restaurant. Wir haben geschimpft. - Wie ich durchkomme? Na. Es kostet eben Geld. Manchmal esse ich den ganzen Tag für 1 Mark, aber das ist auch danach. Mein billigstes Abendbrot kostet mal 50, mal 60 Pfg. Meine Fleischkarte esse ich in der Stadt ab, da giebt es für 100 Gramm ungefähr 200. - Hab’ keine Angst, daß ich schlemme - aber etwas essen muß ich doch schon. Manches koche ich mir selbst. - Wenn Du kalt nicht baden magst, dann bade lieber auch nicht warm. Wenn man warm angefangen hat, fängt man mit kalt überhaupt nicht mehr an. Sonne badet »Ihr« - aber hoffentlich ohne Kleider? Ich habe gestern eins meiner teuren Bücher verkauft, weil ich dringend wichtige Bücher brauchte, ich werde auch Una cum Uno[2] bekommen. Die politische Unfähigkeit der Ziel-Leute[3] hat mir viel Spaß gemacht. Gestern las ich den ganzen lieben langen Tag, erst nackt in der Sonne, dann bis Nachts 1/2 3 im Zimmer. Ich sehe, ich bin lange nicht so dämlich, als ich dachte. - Bei unseren Musterungen werden von den alten (40 - 50 Jahre) Leuten von 10-8 genommen. Gute Aussicht! (Bei meinem Vater war wieder paar Tage nichts). Heute ist es 8 Tage her, daß Du fortfuhrst. Aber bis jetzt machen mir Deine Briefe mehr Sorge, als Freude. Hoffentlich mußt Du nicht zu viel »Badeleben« mitmachen.
Auf Wiedersehen, ich küsse Dich
R.
Bist du traurig? Tun sollst Du doch nichts! Garnichts!“

[1] Schloß Paretz, in der Nähe von Potsdam.
[2] Josephin Peladan: Una cum Uno, vgl. BG-HHE I 8.32.
[3] Kreis um Kurt Hiller. Die von Kurt Hiller herausgegebenen Ziel-Jahrbücher waren das Organ eines politisch-literarischen Aktionismus.