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Brief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitleBrief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Date19./20.06.1918
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount1 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 735/79
  • Other NumberBG-HHE I 10.52
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
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20.6.18.
Ich habe Deinen Brief gelesen. Und ich glaube, daß das nicht recht ist, wie Du meinst, dieses Fortgehen - das war früher möglich. Gewiß ist es sehr schwer; zu gehen - aber wohl leichter als bleiben. Und wohl doch aus einer Müdigkeit - die das Verehrte und Geliebte in etwas Negatives verkehrt - zu verstehen. Und wenn im Buch: Sprung aus der Welt[3] alle egoistisch sein müssen - so ist das doch hier dann das gleiche - Jeder ginge dann wo anders hin, allein! Und der Wunsch »wieder mit Pflanzen und Sonne ohne Verdrängung«[4] zu leben, bliebe Wunsch - oder Verdrängung. Denn nie hat bis heute ein Mensch ohne Verdrängung gelebt: die Liebe zu den Pflanzen und Bergen muß die Liebe zum Kind und zur Gemeinschaft mit Menschen verdrängen - oder ist ihre Verdrängung. Das ist gewiß.
Also bliebe nur Liebe zum Kind und damit doch ein Ziel, das nicht nur im Sprung aus der Welt noch nicht erreicht ist: Gemeinschaft.
Ich glaube, ohne Anschuldigung, das alles klar zu sehen - es kann nicht anders sein.
20.6.18.“

[3] Franz Jung: Der Sprung aus der Welt. Berlin, 1918.
[4] Vgl. Briefentwurf Hannah Höch an Raoul Hausmann vom 17.6.1918, BG-HHE I 10.48.