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nietzsche contra strindberg
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • Titelnietzsche contra strindbergTyposkript von Raoul Hausmann mit handschriftlicher Mitteilung an Hannah Höch.
  • Datierung14.06.1919
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikTyposkript
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben, handgeschrieben
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 711/79
  • Andere NummerBG-HHE I 12.29
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

„nietzsche contra strindberg
»gehen wir von der erfahrung aus, von jedem falle, wo ein mensch sich bedeutend über das maß des menschlichen erhoben hat, so sehen wir, daß jeder hohe grad von macht freiheit von gut und böse ebenso wie von ›wahr‹ und ›falsch‹ in sich schließt und dem, was güte will, keine rechnung gönnen kann, wir begreifen dasselbe noch einmal für jeden hohen grad von Weisheit - die güte ist in ihr ebenso aufgehoben als die wahrhaftigkeit, gerechtigkeit, und andere volksvelleitäten der wertung. endlich jener hohe grad von güte selbst, ist es nicht ersichtlich, daß er eine unfähigkeit voraussetzt, zwischen wahr und falsch zwischen nützlich und schädlich auf eine größere entfernung hin zu unterscheiden?«[1] »dies widerspruchsvolle wesen hat aber eine große methode der erkenntnis, es fühlt viele für und wider, es erhebt sich zur gerechtigkeit - zum begreifen jenseits des gut und böse schätzens. der weiseste mensch wäre der reichste an widersprüchen, der gleichsam tastorgane für alle arten mensch hat und zwischeninne seine großen augenblicke grandiosen zusammenklangs - der hohe zufall auch in uns! eine art planetarischer bewegung.«[2]
»der begriff ›verwerfliche handlung‹ macht uns schwierigkeit, nichts von alledem, was überhaupt geschieht, kann an sich verwerflich sein, denn man dürfte es nicht weghaben wollen - jegliches ist so mit allem verbunden, das irgendetwas ausschließen wollen alles ausschließen heißt, eine verwerfliche handlung heißt eine verworfene weit überhaupt... und selbst dann noch, in einer verworfenen weit würde auch das verwerfen verwerflich sein... und die consequenz einer denkweise, welche alles verwirft, wäre eine praxis, die alles be !/ jaht... in allen correlationen von ja und nein von vorziehen und abweisen von lieben und hassen drückt sich nur eine perspektive aus, an sich redet alles was ist, ja.«[3]//
›du sollst nicht lügen‹ man fordert wahrhaftigkeit, aber die anerkennung des tatsächlichen (das sich-nicht-belügen-lassen) ist gerade bei den lügnern am größten, sie erkennen eben auch das untatsächliche dieser populären ›wahrhaftigkeit‹. Es wird beständig zuviel oder zu wenig gesagt, die forderung sich zu entblößen mit jedem worte das man spricht, ist eine naivetät man sagt, was man denkt, man ist ›wahrhaft‹ nur unter Voraussetzungen, nämlich unter der, verstanden zu werden, und zwar: wohlwollend verstanden zu werden/«[4] wohlwollend! verstanden zu werden//
daß man nicht verbieten konnte - und nicht aus erbärmlichkeit log sondern wegen des böswilligen mißverstehens! da man auf deiner seite stand, du aber blind und klein warst! hier ist kein recht zur großen verachtung.“ //
[handschriftliche Zufügung:] „ich bin bereit, mit allen meinen Sachen (Anzüge, Wäsche, Bücher, Möbel etc.) zu Dir zu ziehen, und zwar sofort. Ich glaube nämlich doch an Deine Gerechtigkeit. E. S. ist seit 10 Tagen fort.
14.6.19.“//
[1] Friedrich Nietzsche: Ecce homo. Der Wille zur Macht. Erstes Buch und zweites Buch. 11. u. 12. Tsd. Leipzig, 1911. (Nietzsche: Werke: 2. Abt. Bd. xv). S. 321. [2] Ebda. S. 336. [3] Ebda. S. 358. [4] Ebda. S. 413.