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Brief von Raoul Hausmann an Friedrich Höch jun.
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitelBrief von Raoul Hausmann an Friedrich Höch jun.
  • Datierung10.04.1918
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben, gedruckt, geklebt
  • Umfang1 Blatt mit aufgeheftetem Zeitungsausschnitt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 4114/79
  • Andere NummerBG-HHE I 10.16
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

[In dem beigefügten Zeitungsausschnitt wird eine Entscheidung des Kammergerichts wiedergegeben. Danach sind deutsche Gerichte für Ehescheidungen von Österreichern nicht zuständig. Im Brief wird der Ausschnitt - im Hinblick auf die Kammergerichtsentscheidung allerdings nicht ganz verständlich - kommentiert:]
„Aus Beigefügtem wirst du sehen, daß es vielleicht eine Möglichkeit gibt, geschieden zu werden, wenn die Frau, als Reichsdeutsche geschieden werden will. Sie [d. i. Elfriede Hausmann-Schaeffer] will es mal versuchen.“//
„[...] Du sagtest vor einer Woche, ob ich denn glaubte, daß es überhaupt eine Möglichkeit gäbe, ein anderes Verhältnis zwischen Hannah und mir herbeizuführen. Wenn ich das nicht glaubte, würde ich vielleicht nicht mehr in Deutschland sein. Unsere Beziehungen sind eben derart intensive, sensible, daß die kleinste Störung gleich Katastrophen hervorruft. Und es handelt sich nur darum, daß unsere gegenseitige Wahrnehmungsfähigkeit dahin gesteigert wird, daß wir ganz telepathisch gewissermaßen unsere Empfangs- und Aufnahmeapparate zum richtigen reagieren bringen, indem wir lernen, sowohl Hannah als ich, durch Schmerzen lernen, daß wir eigentlich alle Differenzen sofort, rein magnetisch, überwinden können - vor allem auch deshalb, weil diese Differenzen unsere Grundwesen nicht berühren. Was ich aus dieser Trennung jetzt lerne, ist sicher dies: daß ich Hannah nie wieder schlagen könnte, denn, wenn ich dies auch nur aus Verzweiflung darüber tat, daß sie ihre Grundzugehörigkeit zu mir nicht sehen konnte, so habe ich gerade damit ihre Sicherheit zu mir erschüttert.//
Ich hätte mich selbst nie so durch Oberflächendinge erschüttern lassen dürfen
- denn damit habe ich die Verbindungen ebenso zerstört wie Hannah durch Wichtig-nehmen oder Mißtrauen, ja mehr, ich war selbst mißtrauisch geworden. Aber gerade dadurch, daß Hannah augenblicklich sich von mir getrennt hat, wird sie, so wie ich, merken müssen, daß sie allein nicht existieren kann. Und zurück in die Familie kann sie deshalb nicht, weil sie doch schon zu viel wirklich erlebt hat. (Nicht die menschlichen Beziehungen der Familie, aber die traditionellen muß man negieren - und so war Hannah im Grunde schon 1915.) - [...] Begreife, daß ich auf Hannah immer warten werde, bis 1990!//
Gruß R.//
10.4.1918“.