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Brief von George Grosz an Raoul Hausmann. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • George Grosz (1893 - 1959)

  • TitleBrief von George Grosz an Raoul Hausmann. BerlinAnbei eine Zeichnung mit Anmerkungen von George Grosz.
  • Date13.12.1921
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount1/2
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 4120/79
  • Other NumberBG-HHE II 21.46
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
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"Lieber Raule!
Du schreibst einen Brief wie eine hysterische Frau. Ich lehne Deine Theorien über Atomzerteilungsmaschine u.s.w. nicht ab - habe aber auch nicht den großen Glauben daran - ich bin, Du sagst es sehr richtig, zu unwissenschaftlich, um Deine wissenschaftlich exacten Abstraktionen richtig zu erkennen. Ja ich habe letzten Endes auch gegen Deine strenge wissenschaftl. Schule einen mir selbst unverständlichen Skeptizismus. Was kommt denn schließlich bei dieser ganzen Wissenschaftsbeschäftigung heraus - und woher hast Du die Kenntnisse - Du hast eben 1500 Bücher mehr studiert und gelesen - ist überhaupt die Frage zwischen Menschen so zu lösen? Wie sieht Mynona aus, der doch lange Zeit Dein Lehrer war? - der doch ein tatsächlich wissenschaftlich gebildeter Mensch ist und mehr weiß als eine Menge von uns - ich bin geistfeindlicher eingestellt als Du, der Du noch die zufällige individuelle Leistung und Begabung zum Maßstab zu machen versuchst. Deine 1000 Pläne sind interessant, aber kannst Du dieselben so wie sie gedacht sind praktisch umsetzen? Mir kommt es darauf an. Warum die Mißstimmung gegen den ebenso rein zufälligen Erfolg eines anderen - ich sehe den Betrieb keineswegs so geschwollen wie Du denkst - als alter Dadaist müßtest Du wissen wie dumm der größte Teil der Menschen aller Klassen ist - soll ich vielleicht diese Dussligkeit respektieren?
Meine Einseitigkeit trifft nicht mal politisch zu. Nur stelle ich mich nicht gegen die Arbeiter, obgleich ich ihre Dummheit und Gedrücktheit immer wieder sehe und erkenne. Ich gehe jede Woche nach Spandau zu K.A.P.D. Arbeitern, gerade um darüber mit den Arbeitern selbst zu diskutieren, warum sollen wir denn unseren «inneren Reichtum» alleene behalten?
Warum wirfst Du mir vor, daß ich Geld verdiene? Ist es nur dummes Ressentiment, dann beseitige es gefälligst. Ich glaube ebenso wenig wie Du an Erfolg Orden und Ehren - in dieser bürgerlichen Staatsordnung auch nicht im Sowjetsystem. Ich kann mich aber auch nicht nach Dir orientieren. Für eine alte Type halte ich Dich deswegen noch lange nicht. Deine Satiren, weißt Du selbst, schätze ich sehr - obwohl der «Republicain» Mühlhausen dich mit Heinrich Mann vergleicht - was sollen also Vergleiche überhaupt? Ich komme Freitag zu Dir Büsingstraße 16. Sei nicht gleich immer beleidigt wie ein Despot.
shake hands und
viele Grüße,
Dein alter
George"