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Brief von Hannah Höch an Grete Höch. [Charlottenburg]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Hannah Höch (1889 - 1978)

  • TitelBrief von Hannah Höch an Grete Höch. [Charlottenburg]
  • Datierung18.11.1916
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang2 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-Ar 1/2002,554
  • Andere NummerBG-HHE I 8.54
  • CreditlineSchenkung, 2002
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

„Liebes Gretulein.
nun bist Du die allerletzte, der ich für die Geburtstagsglückwünsche danke, sei nicht böse, aber es ging bei mir mal wieder sehr drunter und drüber.
[...]
Zum Geburtstag kam von zu Haus ein Paket mit himmlischen Kuchen und einem, von Mutter gearbeitetem Taschentüchel. Vater hatte Geld geschickt, davon kaufte ich mir eine Bluse, Material zu einem Hut, allerhand Küchengeräte, als da sind: Töpfchen, Messer und Gabel etc. Frau Jacobi[1] schenkte mir ein Glas Eingemachtes und Ölsardinen, Tante Mally ein Paket Thee und Danilo[2] Schokolade. Von ihm[3] bekam ich meine beiden »Momberts«[4] eingebunden in grünes Leinen und neu: von Peladan die Macht des Goldes[5], außerdem 2 wunderbare Lilienstengel.
[...]
Gretulein, ist es möglich, daß ich vor ein paar Tagen Karl E.[6] hier gesehen habe? Bei Singer in der Buchhandlung? Wenn mir danach zu Mute gewesen wäre, so hätte ich diesen Herrn darauf angeredet. Aber wenn er in Wien ist, werde ich mich wohl geirrt haben.
Raoul ist gestern nacht mit Friedlaender nach Westfalen gefahren, für eine Weile. Ich bin sehr traurig, aber ich habe es verdient, nicht vom Gesichtspunkt der guten Leute aus, da habe ich sehr recht getan, aber von mir aus gesehen, verdiene ich Strafe, es ist manchmal doch noch unmöglich, ein starker Mensch zu sein und zu handeln wie man muß.
Nun kam der Brief gestern wieder nicht fort, ich wurde unterbrochen, es kommen jetzt so oft Leute zu mir, die wegen der Muster in der praktischen Berlinerin[7] was wissen wollen. Sie sollen mir den Buckel rauf rutschen. Als neuestes arbeite ich jetzt ständig etwas für Orlik, Holzschneiden, und erhalte dafür monatlich Mk. 40.-
Da kann ich wenigstens dabei in der Schule sein. Du, ich habe vorige Woche mal an Völschs geschrieben wegen eines eventuellen Futterpaketes, sie haben aber noch nichts von sich hören lassen, da wird’ s wohl so sein, daß sie auch nichts mehr wegschicken können. - Für heute Schluß liebes Gretulein, laß Dir’ s gut gehen.
Deine Schwester H. am 18. Nov. 1916“.

[1] Frau Jacobi, Zimmerwirtin von Hannah Höch.
[2] Danilo: Bruder von Hannah Höch. [3] Raoul Hausmann.
[4] Alfred Mombert: Die Blüte des Chaos. Minden 1905. Der Glühende. Minden 1902.
[5] Josephin Peladan: Das allmächtige Gold. Verdeutscht von Emil Schering. Mit einem Vorwort von Strindberg und einem Portrait Peladans. München und Leipzig, 1911.
[6] Karl Ehrenstein.
[7] Die praktische Berlinerin. Frauenzeitschrift.