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Brief von Hannah Höch an Grete Höch, beiliegend die Abschrift eines Briefes von Raoul Hausmann
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Hannah Höch (1889 - 1978)

  • TitleBrief von Hannah Höch an Grete Höch, beiliegend die Abschrift eines Briefes von Raoul Hausmann
  • Date08.04.1918
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount2 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-Ar 1/2002,556
  • Other NumberBG-HHE I 10.14
  • CreditlineSchenkung, 2002
  • On DisplayNo
Transcription / Description
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Additional Reproductions

„Liebes Gretulein,
Eure Karte erhielt ich gestern und ich will Dich gleich mal über den Stand meiner Sache unterrichten und Dich bitten um Gottes willen standhaft alles an ihn zurückzuschicken. Er steht mit Danilo in Verbindung, d. h. er läuft manchmal zu ihm (Danilo). Er glaubt, ich sei mit Dir gereist. Wohin wir sind, weiß er nicht. Beiliegenden Zettel hatte er offen, so wie er ist (ich schicke Dir die Abschrift) an Danilo gegeben. Er müsse ihn mir schicken. Jetzt nimmt Danilo natürlich auch nichts mehr an. Gestern bekam ich einen furchtbaren Schreck, er hat an Frau Michaelson (die Kollegin bei Ullstein) geschrieben, um eine Unterredung gebeten. Sie wird ihm natürlich nur in meinem Sinn gegenübertreten, mich als nicht hier angeben. Es ist eine schreckliche Zeit für mich, ich komme aus der Todesangst nicht heraus. Liebe, wie geht’s Dir denn, ich wünsche Dir so sehr, daß Du in München angenehm überrascht wirst. Was sich etwa noch in meiner Sache zugetragen hat schreibe mir auch bald, wenn Du irgend kannst.“

Beiliegend: Abschrift eines Briefes von Raoul Hausmann, in dem er seine Schuld eingesteht und ihr versichert, daß er ihr nichts tun werde.
„8. April 1918
Du sollst nicht glauben müssen, daß ich ewig blind bleibe. Ich habe nochmals Deine letzten Briefe gelesen und verstehe jetzt, daß ich automatisch mit Forderungen an Dich herangetreten bin, die zu stellen ich nicht hätte wagen dürfen, wenn ich nicht ganz verblendet war. Dies muß ich aber jetzt annehmen. Ich habe nicht im entscheidenden Moment auf Dich geachtet, vielleicht aus Nervenerschöpfung, wohl aber hauptsächlich aus einer Überschätzung meines »Besserseins« heraus, die ich Dir allein vorwerfen zu dürfen glaubte. Ich begreife jetzt mein Unrecht.
Ich will Dir nichts tun. Du kannst mich ablehnen, aber vorher wollte ich Dir noch das Bewußtsein Deiner Aufrichtigkeit geben, und meiner Schuld an den letzten Zusammenbrüchen mein falscher, theoretischer Glaube an Deinen Haß gegen mich.
R.
Und deshalb sollst Du nicht fürchten brauchen, daß ich Dich verfolgen werde. Meine Schuld zwingt mich, Dich zu schonen.“