Resultate:  1

Brief von Hannah Höch an Grete Höch. Rom
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Hannah Höch (1889 - 1978)

  • TitelBrief von Hannah Höch an Grete Höch. Rom
  • Datierung22.11.1920
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Beschriftunghandschriftliche Anmerkungen von Friedrich Höch (sen.).
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-Ar 1/2002,557
  • Andere NummerBG-HHE I 13.68
  • CreditlineSchenkung, 2002
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

Hannah Höch äußert sich ihrer Schwester gegenüber zu einem Brief, den Elfriede Schaeffer an die Eltern von Hannah Höch schrieb, und fährt dann fort:
„ [...] trotzdem ich dies wußte, sagte ich ihm, daß es mir leid täte, weil ich voll unermeßlicher Güte zu diesem Mann sein kann und bin, und weil ich aus reinstem Herzen sagen kann, daß ich alles für einen Menschen, dem ich Leib und Seele gewidmet habe, tun werden, ohne zu rechnen und weil ich ihm über diese seine abscheuliche Stunde - hinweghelfen wollte.
Ich habe es Dir gesagt, und Du kennst ihn und weißt es auch, daß er ein Mensch ist, der neben seinen größeren Vorzügen auch ebensoviele größere Nachteile besitzt wie der Durchschnittsmensch und dazu gehört seine sehr ausgeprägte Bösartigkeit - aber ich weiß auch, daß gerade ich eine sehr starke Frau bin, die vielleicht überhaupt allein im Stande war ein solches Maß von Bösem in einem Menschen zu leiten, zu zügeln und - ja, auch zu bessern, denn vieles ist bereits gemildert, und vieles, sehr vieles, habe ich im Laufe und Kampfe dieser 5 Jahre zu ändern vermocht, in gute Bahnen zu leiten vermocht - und dies weiß auch er - denn - sonst könnte er eben nicht so an mir hängen und würde längst diese, ihn »schulmeisternde» Frau, also mich - zum Teufel gejagt haben - denn nicht ich kam je wieder zu ihm (auch wenn ich grenzenlos unter der Trennung litt), sondern er immer wieder zu mir. 5 Jahre lang habe ich doch immer wieder versucht, mich von ihm zu befreien - nicht nur äußerlich, auch innerlich, bin ich Gott weiß wohin vor ihm geflohen, habe mit aller Kraft versucht, mir mit anderen Menschen ein leichteres Leben zu zimmern - aber ich sage Dir heute, und dies nach schwersten Erfahrungen, ich muß neben diesem Mann weiter aushal- ten, ich kann mir nicht mehr vorlügen, daß ich weiterleben kann, sowenig wie er ohne mich, ohne ihn, es geht eine Weile - und dann würde ich eben lieber sterben gehen (ohne alle Sentimentalität) als weiterleben. Ich gehe also, wie Christus auf die Frage: Herr wohin gehst Du, antwortete: ich gehe, um mich noch einmal kreuzigen zu lassen. - Denke nun nicht, daß dies heißt, daß ich jetzt nach Berlin gehe um mich wieder in seine Arme zu stürzen - es wird ihn noch einen harten Kampf kosten - aber im Vertrauen sage ich dir - ich bin mit Raoul Hausmann nicht fertig - wir haben noch mehr miteinander zu tun.

Lieber Vater, der Brief ist zwar an Grete angefangen, aber schließlich habe ich ihn für Dich geschrieben. Grete weiß auch ohne ihn von diesen Dingen. Willst Du noch weitere Aufklärungen, so werde ich sie Dir heute mit größter Offenheit geben. Sonst bitte ich Dich - es ist in meinem wie auch in Eurem Interesse das Beste - wenn Ihr auf die Briefe die kamen und auch eventuelle, welche, die noch kommen sollten (diese würden vielleicht sogar am Besten uneröffnet zurückgeschickt) gar nicht mehr reagiertet. Ich will aber damit keinerlei Vorschriften machen - nur - alles reden um unsere Lebensangelegenheit - erschwert mir das Leben und nimmt mir soviel Kraft.“

[Zusatz von ihrem Vater Fritz Höch:] „Ich rede gar nicht. Zu Mutter habe ich gesagt, wenn ich noch etwas schreiben müßte, dann: Ich bitte uns mit Ihren Lamentos zu verschonen. Unsere Tochter ist mündig. Hätte sie z. Zt. auf uns gehört, dann wäre ihr und Ihnen alle Ärgernis, von dem Sie erzählten, und uns viel Herzeleid erspart geblieben.“