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Brief von Helma Schwitters an Hannah Höch [und Til Brugman]. Hannover
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Helma Schwitters

  • TitleBrief von Helma Schwitters an Hannah Höch [und Til Brugman]. HannoverBriefkopf: "NEUE REKLAME/MERZ WERBE [...]"
  • Date27.01.1934
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben, maschinengeschrieben
  • InscriptionHandschriftliche Anmerkung von Hannah Höch: "Von hier bis - wenden Dieses Stück wörtlich an Dr. Schmalenbach abgeschrieben. H.H." [bezieht sich auf den Abschnitt: "Nun zu Kurt ... vergrottet und vermerzt sein".]
  • Amount1 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 444/79
  • Other NumberBG-HHE II 34.1
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

"27.1.34.
Liebe Hanna, Liebe Tilli.
Endlich muss ich Euch doch einmal auf Eure Karte antworten. Kurt und Ernst kamen mit grosser Ausbeute an Zeichnungen von der Mecklenburger Reise zurück, aber das Ziel Kurts unsere Schwägerin mit Mutter auszusöhnen, gelang daneben, weil Mutter auf Trudes Einladung einfach mit einem glatten Nein reagierte. Nachdem Mutter uns auch fortgesetzt mit wiederlichen Briefen bombadiert, die aber auch alles, was uns lieb und wertvoll ist, in den Schmutz ziehen, bleibt uns auch weiter nichts übrig, als ein paar Stunden Sonntag Nachmittag, sie zu besuchen. Ausserdem ist ein Zusammensein mit ihr für uns direkt gefährlich, da sie aus allem, was sie von uns hört, sich einen Brei zurecht macht und diesen überall serviert, damit er uns schadet. Es ist qualvoll, dass ich mich niemals irgend wie mit meiner Mutter aussprechen kann. Genug.
Wie ist Deine Ausstellung in Prag [1] ausgefallen, liebe Hanna? Verkauftest Du? Unsere afrikanischen Schildkröten laufen um uns herum, die übrigen 10 sind «eingemottet». Die Meerschweinchen wohnen in der Winterzeit im Keller, da haben sie ein grosse Reich. Jetzt hat Ernst ihnen noch einen kleinen pipsenden Spatz zugesellt. Der arme Kerl war mit einer Zwille angeschossen, er blutete sehr, und wir vermuteten, dass er sterben würde. Jetzt hat ihn aber die Wärme und die Pflege von Ernst verhältnismässig lebensfähig gemacht, das heisst, fliegen wird er niemals wiederkönnen, nun dann hopst er im Sommer mit den Meerschweinchen und Schildkröten auf dem Balkon herum. Ausserdem hat Kurt mir für die Zeit seiner Reise einen Falter in Pflege gegeben, der sich in seinem Atelier entpuppt hat. Ja, ja die Menagerie ist bald voll. Nun zu Kurt. Das Atelier kanntest Du, liebe Hanna, ziemlich fertig, nun ist das aber weiter gewachsen und zwar in das Zimmer vor dem Atelier, was Kurts Schlafzimmer werden soll, da Ernst jetzt ein Zimmer allein bekommt, werde ich Kurts früheres Schlafzimmer erhalten, und er zieht nach unten. Dieses Zimmer bekommt nun den Anschluss ans Atelier, auch das sind wieder grosse Umbauten, und wenn ihr einmal wieder nach Hannover kommt, wird der Oma Schwitters Zimmer wohl auch vergrottet und vermerzt sein. Vielleicht findet Merz noch einmal den Anschluss bis Berlin. Uebrigens ist Kurt heute nach Oslo gefahren, wo er eine naturalistische Ausstellung hat.[2] Er hat furchtbar geschuftet und war ganz abgearbeitet, hoffentlich hat er dort ein wenig Ruhe und verkauft gut, ausserdem hat er wieder 20 Leinewände mitgenommen, die alle bemalt werden sollen. Er kann nur durch und mit Arbeit leben. Habt Ihr zu tun? Was hört Ihr von Freunden und Bekannten? Spengemanns [3] sind sehr lebendig und rege, wir haben noch viel mit ihnen über Dich, liebe Hanna, gesprochen, wir entbehren Dich oft sehr stark.//
Nun Euch zwei die herzlichsten Grüsse auch von Ernst Eure//
Helma"

[1] Wie einem Brief von Frantisek Kalivoda an Hannah Höch zu entnehmen ist, war ursprünglich geplant, Hannah Höchs Fotomontage-Ausstellung sowohl in Brno (Brünn) als auch in Prag zu zeigen. Es ist ungeklärt, aus welchen Gründen die Ausstellung in Prag nicht realisiert wurde.
[2]Ausstellung von Kurt Schwitters in der Kunsthandlung Blomquist, Oslo, 6.2.-20.2.1934.
[3] d. i. Christof, Luise und Walter Spengemann.