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Brief von Helma Schwitters an Hannah Höch. [o. O.]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Helma Schwitters

  • TitleBrief von Helma Schwitters an Hannah Höch. [o. O.]
  • Date13.03.1937
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount2 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 452/79
  • Other NumberBG-HHE II 37.7
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

"13.3.1937.
Mein liebes Hannahkind.
Dank für Deinen Brief. Ich freue mich, dass Du einen Freund hast, denn ich finde, Du musst einen Freund haben, sonst bist Du nur halb. Ich hoffe, Du wirst mich verstehen; ich meine, du musst einen männlichen Freund haben, um Dein inneres Gleichgewicht herzustellen, und um den Auftrieb und die Kraft für künstlerische Arbeit zu haben.
Von Sp's [1] weiss ich auch noch immer nicht mehr. Noch immer sind keine Verhandlungen. Sie sind aber schon seit August in Untersuchungshaft. Wie furchtbar! Ich komme garnicht darüber zur Ruhe. Kurt und Ernst sind seit Ende vorigen Jahres wieder in Norwegen, wo sie einen sehr, sehr kalten Winter durchzumachen haben. Sie haben sich in einem Vorort von Oslo eine Wohnung gemietet und versuchen nun auf eigene Faust ihr Leben zu zimmern. [2] Ich fahre im Mai herüber. Ganz allein kann ich die 3 Alten hier nicht lassen, sonst fühlen die sich zu einsam, und Kurt und Ernst würden unter dem Gefühl, dass wir die Alten vernachlässigen, auch leiden, deshalb gehe ich noch nicht endgültig nach Norwegen, sondern besuche meine Zwei nur dann und wann. Hier hast Du Schicksal gespielt. Weisst Du noch, wie Du uns im Hannoverschen Bahnhof von den Schönheiten Norwegens erzähltest vor langen, langen Jahren? Im nächsten Jahr fuhren wir hin, und niemals wieder hat uns das Land freigelassen. Wir lieben es, wir lieben seine Menschen. Ich bin in Gedanken häufig bei Dir, nur das Schreiben ist langweilig. Hoffentlich hat sich Till zurecht gefunden.
Dir alles Beste. Herzliche Grüsse Deine Helma.
War Mart Stam [3] bei Dir? Ich gab ihm Deine Adresse."

[1]d. i. [Christof und Walter] Spengemann.
[2] Kurt Schwitters emigrierte im Januar 1937 aus Deutschland nach Norwegen. Er folgte seinem Sohn Ernst, der bereits Ende 1936 auf Grund politischer Nachstellungen nach Norwegen geflüchtet war.
[3] Mart Stam (1899-1986), Architekt.