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Briefentwurf von Hannah Höch an Elfriede Hausmann-Schäffer
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Hannah Höch (1889 - 1978)

    • Involved Persons Hannah HöchKorrespondenzpartnerAbsender/in
  • TitleBriefentwurf von Hannah Höch an Elfriede Hausmann-Schäffer
  • Date29.04.1918
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount3 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 4001/79
  • Other NumberBG-HHE I 10.34
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

„Frau Hausmann-Schaeffer
Ihr Brief freute mich, weil Sie damit Mut zeigen und mir Vertrauen entgegen-
bringen. Aber ich kann Ihnen auch heute nicht so antworten wie Sie es sich wünschen. Doch muß ich mit Ihnen heute sprechen, da Sie es selbst fordern. Hochachtung habe ich vor Ihnen als der Frau die viel gelitten hat. Hochachtung habe ich weil Sie mit Raoul Hausmann zu tun gehabt haben und Hochachtung muß ich haben weil Sie ... stark genug waren: meine Liebe zu zerstören. Hierfür aber kann ich heute noch nicht anders denn ... Sie hassen. Sie haben mit allen Mitteln Ihre Wünsche durchzusetzen gesucht; ich weiß wie das in jedem Menschen ist, aber ich verstehe nicht, woher Sie den Mut nahmen, da Sie ohne Zweifel vor 3 Jahren sofort begriffen, daß da etwas Heiliges zwischen zwei Menschen vorging. Sie haben Fesseln gelegt, statt diesen Menschen mit mir - in den Himmel laufen zu lassen. (Ich weiß, was ich damit sage!) Damals hatte ich heilige Kräfte, und wäre ganz rein und naiv über alle Klippen mit ihm gelaufen. Wir hätten, wohl weiß ich das, auch durch alle Phasen des Kampfes Mann-Weib gemußt, aber, von einer anderen Basis aus und immer einen blauen Himmel über uns. Und daß ich mich hätte verlieren können? Ich hätte mich nie verloren. Sie aber gaben ihn nicht frei, als es an der Zeit war - und so mußte ich durch alle Qualen der Welt, konnte ihm im Dunkel nicht strahlen und meine Liebe welkte im Schmutz. Sie meinen, indem ich ihn mir nahm, habe ich ebenso egoistisch gehandelt. Erstens nahm ich ihn nicht, es zwang uns zu einander trotz meines wehrens (wehrens für Sie!) Dann, als ich fühlte, daß Sie noch Rechte geltend machten, da habe ich aus Furcht und Hochachtung vor Ihren eventuellen Rechten - ihn zu wählen gebeten; auch da hatte ich noch nicht den Mut zu fordern, was mir bestimmt war.
Hätte er mir in irgend einer Stunde gesagt: ich fand eine Frau die habe ich jetzt nötig, und sie mich, dann hätte ich ihn in derselben Stunde zwingen müssen zu Ihnen zu gehen, um mich zu verlassen. - Nicht aus verletztem Stolz!! Sie sagen aber: weil dann eben meine Sache kleiner war als die Ihre. Ich sage Ihnen inbrünstig: weil meine Liebe so groß war. Und dann kann ich Sie nicht lieben, weil Ihnen die Größe dazu fehlte. Ich sehe wie Sie in diesem Brief an mich Ihr Gewissen beruhigen. Wie Sie versuchen etwas zu retten da Sie jetzt sehen müssen wie alles zu Grunde geht; aber immer noch für sich, für ihn auch aber vor allem für sich. Sie meinen, Sie haben ihn instinktiv für sein Bestes nicht fortgehen lassen? Ich weiß: Sie haben ihn instinktiv für sich nicht fortgelassen. Ich fühle, daß Sie mich heute brauchten. Daß ich Ihnen dennoch ablehnend gegenüber stehen muß, nehme ich nicht leicht, tut mir sogar weh, trotzdem ich Sie, so paradox das klingen mag, hasse, wenigstens heute, wo Sie, Ihnen bis heute wirklich unbewußt noch so viel Böses immer noch gegen mich führen. Daß Sie Raoul Hausmann eine Strecke Wegs gegeben haben was ihm not tat, das weiß ich wohl, aber auch damals, das muß Ihnen bewußt bleiben haben Sie immer auch ebenso in Ihrem Interesse handeln müssen denn auch Sie wollten etwas von Ihm, auch wenn es nur; was ich nicht mal glaube, Ihr Kind war. Sie sagen, er sei Ihnen etwas schuldig geblieben? Sie hatten ihr Kind von ihm bekommen! und vieles andere dazu; und schuldig wird er Ihnen noch?!?! Dankbarkeit. Und dazu zerstörten Sie unser Leben.
Hannah Höch, am 29. April 1918“