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Brief von Kurt Schwitters an Hannah Höch mit Zusatz von Helma Schwitters. [o. O.]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Kurt Schwitters (1887 - 1948)

  • TitelBrief von Kurt Schwitters an Hannah Höch mit Zusatz von Helma Schwitters. [o. O.]
  • Datierung12.09.1925
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 437/79
  • Andere NummerBG-HHE II 25.23
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

"Hast Du was? Kummer? Wir lesen so etwas zwischen den Zeilen. Das ist verboten. Dann schreib es uns, vielleicht hilft es Dir, wenn Du Dich aussprichst. Pack Deinen Koffer und besuch Deine Dich liebenden Merze, was Du schon sowieso lange tun wolltest. Aber Du bist eben zu fein geworden. Wer nur noch zwischen Paris und London pendelt und zu fein ist, in Berlin auszugehen, der wird Revon, auf Deutsch Hannover, verachten. Aber bitte mich nicht mit, das würde ich Dir persönlich übelnehmen. Rabenaas! Lauseaas! Das einzige, was Du gut gemacht hast, war, dass Du oft von mir gesprochen hast. Aber noch nicht oft genug. Du solltest überhaupt nur von mir reden. In allen Tonarten, damit Du auf andere Gedanken kommst. Meinst Du, ich nähme umsonst das schöne rosa Briefpapier! Das sollst Du Dir nicht hinter den Ofen stecken, denn wenn Du ihn sonst anbrennst, könnte es riechen. Einsiedler! Hausbesitzer! N. B. was nennst Du Kabarett bezüglich Sturm? Wieso? «Schande» ist ein Missverständnis, soll «Scheuche» heissen, auf Deutsch Vogelscheuche. Aber Schande ist auch ein guter Titel, noch besser wäre Schmande. Die Sache Dexel verstehe ich nicht, denn er schrieb mir, offenbar nachdem er mit Dir korrespondiert hatte, ich möchte veranlassen, dass ihm seine Arbeiten gut verpackt gesandt würden, die Kosten dafür übernähme er. Nun will ich an Dexel jetzt schreiben, was Du mir mitgeteilt hast, und ihn bitten, der Einfachheit halber nun mit Dir zu verhandeln und mir mitzuteilen, wenn die Sachen in seine werten Hände gelangt sind. Und Dich bitte ich, auf Dexels Anweisungen zu warten, und mir mitzuteilen, wenn Du die Sachen abschickst. Wer aber keine Sorgen hat, mache sich welche. Die Angelegenheit Stijl scheint verfahren zu sein. Alle schreiben mir, sie hätten nur Heft 4 von diesem Jahrgang bekommen [1]. Willst Du mir nicht bitte schreiben, was Du hast! Zu meiner Orientierung. Morgen ist Sonntag, heute Sonnabend, und gestern war Freitag. Sonst nicht viel Neues.
Herzlichst Merz.

Komm bald, liebe Hanna, dann kann man seinen Kummer besser mitteilen; es ist mir auch nicht immer so rosig zu Mute, wie diesem Briefpapier, sei lieb und komm.
Viele herzliche Grüße
Deine Helma"

[1] Kurt Schwitters hatte den Versand der Zeitschrift De Stijl und zugleich die Betreuung der Abonnenten in Deutschland übernommen.