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Brief von Ida Bienert an Hannah Höch [und Til Brugman]. Dresden
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Ida Bienert (1870 - 1966)

    • Involved Persons Ida BienertKorrespondenzpartnerAbsender/inHannah HöchKorrespondenzpartnerAdressat/in
  • TitleBrief von Ida Bienert an Hannah Höch [und Til Brugman]. Dresden
  • Date12.09.[1927]
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount2 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 889/79
  • Other NumberBG-HHE II 27.5
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

"Dresden, 12. Sept.
Meine Liebe Hannah,
Wie sehr ich mich freute, von Ihnen beiden zu hören, kann ich garnicht sagen, wie ich zu Ihnen hindachte u an allem teilnahm. Und besonders, daß es mit Ihrer Gesundheit - unberufen poch, poch poch - gut gegangen. Denken Sie, der arme Behne hat es viel schlimmer gehabt, wie mir die kleine [---] am Telephon sagte, hat er 8 Wochen gelegen u ist jetzt mit Frau Behne verreist. Ich verstand nicht recht, ob in einem Sanatorium oder wo. So hoffe ich innig für Sie, daß Sie jetzt ganz wohlauf von Ihrer schönen Reise wieder zurückgekehrt, aber, liebe Hannah, ich glaube, Sie müssen diesen ganzen Winter sehr, sehr vorsichtig sein, sich absolut vor Erkältungen hüten, also Unterleib warm halten, Höschen aus Jute u Wolle gemischt!!!//
Wissen Sie, daß Sie mir noch etwas versprochen haben? Sie wollten mir über das Tillich Buch [1] schreiben, es würde mich nämlich kolossal interessieren u wäre eine Anregung, das Buch noch einmal zu lesen u Ihnen dann über alles zu schreiben. In der einen Unterrichtsstunde, der ich in Hamburg beiwohnte, wurde Tillichs Buch mit erwähnt, die jungen Menschen hatten davon Kenntnis genommen, es waren Unterprimaner.
In der Fides [2] sah ich Bilder von Schlemmer u Baumeister, das eine Bild von Schlemmer gefiel mir ausserordentlich. Ich würde es sofort erwerben, wenn ich das Geld hätte, aber mit meinen Verkäufen habe ich ja immer kein Glück. Sollte ich eine Photo auftreiben, schicke ich Sie Ihnen. In Hamburg sah ich 2 sehr gute Lissitzkis, (verzeihen Sie die verschiedenen Schriften, durch den Brief an Till bin ich ins lateinische Schreiben gekommen) Schardt [3] will einen für Halle erwerben, ebenso einen Mondrian. Ich sah hier bei Kuhl 4 neue Mondrians, aber der eine, den ich bei Oud sah, u den ich auch sofort besitzen möchte, gefiel mir noch besser. Mondrian macht jetzt die schwarzen Linien zarter, überhaupt alle Farben einen Hauch zarter. Das eine Bild bei Oud habe ich in einer ganz außerordentlichen Erinnerung. Es fehlt mir sehr, daß ich mit Ihnen u Till jetzt nicht reden kann, ich habe unser Zusammensein in der allerschönsten Erinnerung. Und wie gerne hätte ich Sie beide jetzt in Dresden gehabt! Die Enttäuschung, als die Antwort auf meine Depesche nur die Nachricht von Ihrer Abreise brachte! Was sahen Sie in Paris? Wie gings Mondrian? Und wie mögen Sie alle Ihre Eindrücke u Erlebnisse in Ihrer eigenen Arbeit auslösen!
Nun noch ein Wort von den kleinen Aenderungen in unsrem Haus, die mich ja in diesem Sommer so viel beschäftigten: Treppenhaus ist gut geworden, das große Fenster sieht gut eingerahmt aus in der dunklen Wand. Diele etwas länger geworden, Herrenzimmer aufgelichtet - die armen «Hörner» warten immer noch, Wappen über der Haustür gut, aber die Farben an Jalousien u Fernsterrahmen mußten noch einmal gestrichen werden.
Nun muß ich für heut schließen.
Sehr viele Wünsche für Ihre Gesundheit, liebe Hannah, u liebe, herzliche Grüße von ganzem Herzen,
Ihre I. B.
Wie gehts übrigens Tills Kopfschmerzen?"

[1] Paul Tillich (1886-1965), Theologe.
[2] Galerie Neue Kunst Fides, Dresden.
[3] Dr. Alois J. Schardt, seit 1926 Direktor des Museum für Kunst und Kunstgewerbe in Halle.