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Brief von Theo van Doesburg [und Nelly van Doesburg] an Hannah Höch mit Korrekturen und Anmerkungen. Clamart
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Theo van Doesburg (1883 - 1931)

  • TitelBrief von Theo van Doesburg [und Nelly van Doesburg] an Hannah Höch mit Korrekturen und Anmerkungen. Clamart
  • Datierung21.05.1925
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben
  • BeschriftungHandschriftliche Anmerkung von Hannah Höch: "Sofort an Does schreiben wenn möglich so komme ich".
  • Umfang2 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 122/79
  • Andere NummerBG-HHE II 25.10
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

"Clamart (Seine) 21/5, '25.
Liebe Hännchen!!
Wir waren sehr froh endlich mal wieder etwas von dir zu hören. Ich habe dich noch immer nicht das Buch von Hans Thoma (ausgerechnet «Hans Thoma»!!) [1] zurück geschickt, weil wir hofften, du kämest so wie so nach Paris. Nun höre mal über Belle Ile und das Heuschnupfen. Gerade für einigen Tagen hat es angefangen und ich sitze hier schon mit schwarzer Brille, gewaffnet gegen diese Blumengifte, welche durch die Luft schweben. Am 28 en dieses Monats fahren wir nach Belle Ile, und zwar nach der Côte Sauvage, wo wir ins Hôtel Porte de Donnant, zimmer gemietet haben. Es wäre naturlich fabelhaft wenn du mitgehen könntest. Für die Reise 3e Klasse muss man ungef: 200 Francs rechnen. Man fährt von Paris bis Quibéron mit der Bahn, (abgang Gare Orléans) von dort nach der Insel mit einem Boot. Diese geht bis Le Palais, von wo man mit eine Taxi nach Porte de Donnant fahren muss.
Man braucht pro Tag, viel gerechnet, 30 Fr. Das Zimmer kostet 23 F. pro Persoon pro Tag, also für 3 Wochen, ungf: 500 Francs. Man braucht aber mehr, für Sigaretten, und er muss man noch 10 Fr. pro Tag dazu rechnen, Macht alles im allen also ein Btrag von:
Reise:
Hôtel: 5
)Divers: 300
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Total 100
Bei die Preise des Zimmers ist Pension einbegriffen.
Du musst uns sofort dépechieren ob du mitgehst. Es soll für Deutschen sehr schwer sein ein Zichtsvermerck zu bekommen, oderrrrrrr. In der November Gruppe, möchte ich gerne der sich bei dir befindliche Zeichnung, mit den welche sich bei Herr Weckmester (Kaiserdamm 78) befindet austellen, aber nur unter Bedingung, dasz die beide Zeichnungen auf Augenhöhe aufgehängt werden, und nicht wie voriges Mal in die Luft. [2] Von dieser letzte ist im Sieg der Farben [3], eine Fabel-hafte Réprodoktion erschienen!
Falls es dir keinen Schwierigkeiten macht, möchte ich gerne beide Bilder nach Marziellier transportiert haben. Für Rücksendung habe ich bequemheitshalber diene Adresse angegeben. Beim nächster Aufenthalt nehme ich sie dann mit!
Ich habe auch sehr tüchtig gearbeitet und auch alles für die Protestationsaustellung im Herbst vorbereitet [4]. Weiter habe ich mit Paul Dermée [5] und Berkelaers [6] die Zeitschrift C O D E. [7] gegründet.//
Künstlerich habe ich mir damit beschäftigt eine schématischer Darstellung für den neuen Raum zu schaffen. Habe jetzt den tesserractischen Raum als der einzigen Universellen Raum für die Gestaltung (inklusif Film) anerkannt. Werde das auf Belle Ile ausarbeiten. Ich bin ganz sicher dasz eine mathematischer und klarer Kenntniss notwendig ist, und das alle Versuchen hinsichtlich Film, Achitektur, Proun undsow; wie interesant und schön, und wichtig auch, auf esthetischer Spékulation beruhen.
Da Hans Richter meine artikel im G nicht veröffentlichen wollten, meine Artikel auch nicht zurück schickte, war ich bis jetzt nicht in die Gelegenheit darüber etwas zu publizieren! Ich werde das jetzt in Code tun.
Von Miës [8] bekam ich heutemorgen ein Schreiben, er spricht aber kein Wort über dei in Berlin geplannte Austellung, worüber ich ihm ausführlich schrieb. Mit diese Leute ist ja überhaupt nichts an zu fangen Auch hinsichtlich G. wofür ich auch nichts bekam, trotz allen Versprechen werde ich mir keine Mühe mehr geben!
Ich bedauere es sehr dasz Richters Vater gestorben ist! Was macht er jetzt Mit Kiesler kann man sher schön zusammen arbeiten. Er hat eine sehr klare Konstruktion, auf der Austellung gemacht. [9]//
Wir haben als Vorbereitung unsere Austellung, die Atmosfere geschaffen worin überhaupt alles möglich sein wird.
Hast du von Schwitters DIE Scheuche bekommen? Ich bin neugierig wie dir meine Typografischer Gestaltung gefällt!
Liebe Hännchen lasse schnell von dir hören!
Grusz und kuss von
Does und Nelly"

[1] Vermutl. Joseph August Beringer: Hans Thoma. München: F. Bruckmann, 1922.
[2] Nach 1923 beteiligte sich van Doesburg neben Gerrit Rietveld, Cornelis van Eesteren und J. J. P. Oud zum zweiten Mal 1925 an der Novembergruppen-Ausstellung.
[3] Von der Photographischen Gesellschaft herausgegeben, enthält die Mappe fünf farbige Tafeln: Theo van Doesburg: Entwurf für das Haus eines Künstlers; Piet Mondrian: Gleichgewicht in Rot, Blau und Gelb; Alexander Rodtschenko: Komposition mit schwarzem Kreis; Georges Seurat: Poseuses; Gino Severini: Die ruhelose Tänzerin.
[4] Van Doesburg bezieht sich hier auf eine Ausstellung der De Stijl-Gruppe, die als Reaktion auf die Ablehnung ihrer Teilnahme an der Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes geplant war. Obwohl sie angekündigt war, fand diese Ausstellung nicht statt.
[5] Paul Dermée (1886-1957), Dichter und Schriftsteller.
[6] Fernand Louis Berkelaers, d. i. Michel Seuphor (*1901), Maler, Dichter und Schriftsteller.
[7] Entgegen van Doesburgs Ankündigung ist die Zeitschrift Code wohl nicht erschienen. Es finden sich weder Hinweise in der einschlägigen Sekundärliteratur zu van Doesburg noch in entsprechenden Bibliographien zu Kunstzeitschriften.
[8] Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969), Architekt.
[9] Hierbei handelt es sich vermutlich um das Modell von Friedrich Kiesler auf der Bühnenentwurfsausstellung im Grand Palais der Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes.