Resultate:  1

Brief von Rosa Höch an Hannah Höch. Gotha
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Rosa Höch (1873 - 1930)

  • TitelBrief von Rosa Höch an Hannah Höch. Gotha
  • Datierung26.05.1928
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 916/79
  • Andere NummerBG-HHE II 28.12
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

"Gotha, 26/5. 28.
Liebe Hanna ul. Til u. es. Grete!
Ich sende Euch herzliche Pfing[st]grüße u. hoffe, daß Gretulein wohlbehalten bei Euch eingetroffen ist. Meine zweite Karte, aus der Ihr erseht, daß meine Reise gut zu Ende gegangen ist, habt Ihr wohl erhalten u. nun ist schon wieder eine Woche herum, daß ich daheim bin.
Heute vormittag ist Berthold abgefahren u. bin ich ganz allein in der Wohnung. Hoffentlich kommt nun gut Wetter, daß Anni u. Berthold auch etwas von ihrer Reise haben. Meine Fahrt war ja herrlich u. es klappte Alles tadellos.
In Köln war viel Betrieb, da die Presse Ausstellung dort ist, aber ich bekam ein tadelloses Zimmer nachgewiesen für 3 Mk u. 75 & Kaffee. Ich bin den ganzen Nachmittag herumgestiefelt u. Abends todmüde ins Bett gefallen. Das Wetter war am Sonnabend ausgesucht schön, sodaß es ein großer Genuß war, den ganzen Tag auf diesem herrlichen Strom dahinzufahren. Ich ließ mir Mittag ein deutsches Beefsteak geben für 1.50 u. da hatten sie noch ein Ei darauf ausgeschlagen u. eine Schüssel Kartoffeln dazu, sodaß ich für den übrigen Tag dicksatt war.
Es gab noch einen wundervollen Sonnenuntergang, ehe ich in Biebrich ausstieg, wo ich eine Stunde drauf nach Frankfurt fahren konnte.
Hier traf ich viele Gothaer, die Oberklasse des Lyzeums mit der Lehrerin Frl. Köhler u. Suse Phienemann, die vom Gardasee kamen. Die Mädels waren voller Unsinn, sodaß die Fahrt sich sehr lustig gestaltete, bis so nach u. nach Alles einschlief. Man war in Gotha, ehe man sichs versah.
Diese Woche gabs nun vielerlei zu tun, aber nun will ich mal so ein bischen faulenzen.
Fritz ist ohne Erfolg von seinem Kuraufenthalt heimgekommen. Es ist festgestellt worden, daß seine vielen Beschwerden von der Galle kommen, die total verfärbt u. verwachsen ist. Nun ist er in Behandlung von Dr. Glanz, der ein tüchtiger Arzt ist. Er will versuchen, durch Massage u. Moorpackungen der Sache nachzugehen u. wenn das nicht hilft, dann muß operiert werden. -
Erich schickte eine Ansichtskarte von der Selterwasserbadewanne, doch scheints ihm gut zu gefallen. Wahrscheinlich sind dort Kohlensäurebäder.
Mutter Noll will Ende Juni nach Friedrichshafen, um Walter u. Hede zu ermöglichen, daß sie mal ohne Kinder verreisen können.
Sonst ist nichts besonderes passiert u. so will ich für heute schließen.
Euch zwei Holländerinnen nochmals vielen Dank für alles, u. schreibt mal ein Kärtchen, damit ich höre, wies Euch geht, was Ihr treibt, was das Zitatenbuch macht, wie es mit der Spitzbergenfahrt oder der nach den Kanarischen Inselen wird, was die Minne macht, obs noch Hering in Den Haag gibt u. s. w.
Viele herzl. Grüße
Eure Mutter"