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Brief von Rosa Höch an Hannah Höch [und Til Brugman]. Gotha
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Rosa Höch (1873 - 1930)

  • TitelBrief von Rosa Höch an Hannah Höch [und Til Brugman]. Gotha
  • Datierung11.05.1929
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang2 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 914/79
  • Andere NummerBG-HHE II 29.5
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

"Gotha, d. 11/5. 29
Liebe Hanna u. Til!
Heute bin ich in Gedanken viel bei Euch gewesen, denn es ist ja für Euch gewiß ein großes Unternehmen, eine Ausstellung zu veranstalten u. wir wünschen Dir, l. Hanna alles Gute dazu. Die gesandten Kataloge geben mir ein ziemlich deutliches Bild von dem, was Du ausgestellt hast u. es hat mir Freude gemacht, sehr viel zu entziffern, auch von der beigedruckten Schrift. Dann habe ich heute etwas gemacht, von dem ich hoffe, daß es Dir recht ist. Am Mittwoch u. Donnerstag feiert das Lyzeum das 75 jähr. Bestehen; ich hatte Dir ja schon eine diesbezügl. Anzeige zukommen lassen. Damit sind allerhand Veranstaltungen verknüpft unter anderen eine Ausstellung in der Aula der Anstalt. Ich habe nun die beiden Kataloge in ein Passe partout gebracht; der obere ist der mit Deinem Namen, darunter die andere Seite mit dem Verzeichnis u. habe es in die Schule gebracht, wo es nun mit ausgestellt wird.
Es wird sehr viel Interesse finden, einige von den alten Lehrkräften freuten sich sehr, etwas von Dir zu hören. Am Mittwoch ist noch ein Gottesdienst; Redner i Pfarrer Burbeg, dann in der Turnhalle ein Vortrag von Dr. Sellmann (ich weiß nicht, ob Du den gekannt hast) der irgendwo herkommt.
Abends ist dann im Schießhaussaal allerhand los, denn die putzigen Schülerinnen haben viel einstudiert u. am Donnerstag nachmittag ist dann ein Gartenfest. Es scheint, als würde es eine rege Beteiligung, auch Anni hat sich eine Karte besorgt u. ich eine Angehörigenkarte. Grete hatte ja große Lust, aber ich glaube nicht, daß sie es möglich machen kann, zu kommen, denn sie hat wieder so allerhand durchzumachen gehabt.
Sie schrieb von einer Kiefereiterung u. von einer Eierstockentzündung dazu der Umzug nach Wannsee und eine neues Mündel, also allerhand Abwechslung. Ich hoffe, daß es mittlerweise mit Allen wieder gut geht. Sonst schrieb sie ja ganz beglückt über das schöne Einfamilienhäuschen u. den Garten (ich weiß nicht, ob Du orientiert bist.) Sie haben nur 8 Wochen in der Rheinstr. gewohnt u. lieber 2 Umzüge in den Kauf genommen, als weiter die teure Miete bezahlt. Walter u. Hede hätten ja gern die Wohnung Rheinstr. genommen, haben sie aber vom Wohnungsamt aus nicht bekommen. Nun sucht Gerda weiter, will aber dieser Tage erst noch mal nach hier kommen, um das Töchterschulfest mitzumachen u. Pfingsten da zu sein u. ihren Jungen mal wieder zu sehn, der nun schon 4 Wochen bei uns ist u. die Schule besucht. Walter ist jetzt immer unterwegs, macht große Reisen nach München, Stuttgart, Frankfurt Köln etc., ist aber sehr befriedigt von seiner Stellung u. verdient scheinbar viel Geld. Hansi ist lieb u. brav u. ein sehr guter Schüler. Neulich hat ihn sein Lehrer Jäger nach seiner Tante Hanna ausgefragt, wo sie ist u. ob sie verheiratet ist u. s. w. - also - alte Liebe rostet nicht. -
Anni u. Berthold wollen am Pfingstsonnabend nach Berlin, wo sie ein paar Tage zusammen verleben wollen u. Berthold am 2. ten Feiertg abends nach Magdeburg zum Geographentag fährt. Anni holt ihn dann am Sonntag darauf dort ab. Es geht uns allen gut u. abgesehn von vielen Ärger, den wir durch Liese haben, sind wir wenigstens gesundheitlich wieder auf der Höhe.
Liese hat um das Kind geklagt durch alle Instanzen u. hat 3 mal verloren; das Kind ist Fritz jetzt endgültig zugesprochen, aber er wird es ihr wohl nun freiwillig überlassen, da eben doch Evchen schließlich ausschlaggebend ist, die nicht von der Mutter fortwill. Es war eine Zeit voller Aufregung u. ich möchte das nicht nochmal durchmachen.
Die von Dir veranlaßte Uebersendung von Prospecten wegen einer Nordlandreise ist von hier aus ausgeführt worden, aber es kommt für mich vorläufig nicht in Frage; ich habe nur ein Bedürfnis nach Ruhe u. bin gar nicht aufnahmefähig. Vielleicht setze ich mich mit Mutter Woll ein paar Wochen irgendwohin zur Ruhe, daß ist für mich das beste, höchstens daß ich mal zu Grete fahre, aber das kommt darauf an, was die selber für Sommerpläne haben, wahrscheinlich bleiben sie, wo sie sind u. das ist ja auch schön.
Wegen des Geldes, von dem ich Dir schrieb, möchte ich Dir nun noch sagen, daß ich die 1000 Mk doch nun abgehoben habe. Fritz u. Anni konnten das Geld gut brauchen zu allerhand Anschaffungen, auch Walter u. Hede wollten sich ein Zimmer einrichten, wo es mit Verwendung finden kann. Gretes Anteil nimmt Anni nächsten Sonnabend mit u. Dein Anteil steht hier in einem Sparcassenbuch der «Stadtsparcasse u. ist jederzeit zu Deiner Verfügung. In mein Buch lies ich 250 Mk eintragen, die ich dann so Gott will, zu einer Nordland od. Mittelmeerfahrt im nächsten Jahr verwende. Ich hoffe ja, daß da auch noch ab u. zu mal was herausspringt, übrigens habe ich den Versuch gemacht, aus Euren Aussteuern noch etwas herauszubekommen, bin aber abgeblitzt, es wird nichts nachbezahlt.
Und nun will ich schließen mit viel herzl. Grüßen von Allen u.
Eurer Mutter.