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Brief von Walther Hirschberg an Hannah Höch. Paris
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Walther Hirschberg (1889 - 1960)

  • TitelBrief von Walther Hirschberg an Hannah Höch. Paris
  • Datierung08.08.1939
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 191/79
  • Andere NummerBG-HHE II 39.4
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

"Paris IXe, den 8. August 1939.
Hôtel du Liban, 4, Rue de la Grange Batelière.
Lieber Herr und Frau Dr. Matthies!
Haben Sie meinen herzlichsten Dank für Ihre lieben Zeilen aus Holland, die mich aufrichtig erfreut haben. Sicherlich haben Sie die zehn Tage der Erholung sehr genossen. Ganz besonders willkommen war mir, wie Sie sich denken werden, Ihre Nachricht, daß Sie im September oder Oktober nach Paris zu kommen beabsichtigen, um hier Freunde zu besuchen, denn ich darf wohl hoffen, daß auch wir uns dann wiedersehen werden. Natürlich denke ich noch viel an Berlin zurück.
Hat Ihnen Frau B. übrigens gesagt, daß ich Ihnen bereits einmal von hier geschrieben hatte? Leider bekam ich die Karte, die ich, wie ich es mit meinen heutigen Zeilen wieder tue, an Ihre Berliner Adresse richtete, vom Bahnpostamt Frankfurt a/M. mit dem Vermerk «Nicht abgeholt» zurück. Ich füge sie bei, obwohl ihr Inhalt natürlich überholt ist.
Allerdings ist meine weitere Pariser Aufenthalts-Bewilligung auch heute noch keineswegs sichergestellt. Anfang September werde ich wohl wieder schwere Kämpfe darum zu bestehen haben. Selbst wenn aber die Aufenthalts-Frage geregelt ist, wird es gerade in meinem Beruf und meinem speziellen Fall ganz außerordentlich schwierig sein, sich hier eine neue Existenz aufzubauen, und wer weiß, ob es überhaupt gelingen wird. Vorläufig versuche ich, wenigstens die Sorgen von morgen und übermorgen noch abzuschütteln.
Seit etwa drei Wochen habe ich zu meiner großen Freude ein Klavier auf meinem Zimmer. Es ist zwar ein elender alter Klapperkasten, den mir meine Wirte zur Verfügung gestellt haben, aber er hat den unter den gegebenen Umständen unschätzbaren Vorzug für mich, daß ich keine Miete dafür zu entrichten brauche. Immerhin hat mich das Instrument, so schadhaft es ist, doch (nach achtmonatiger Schaffenspause) bereits zu vier neuen, ziemlich umfangreichen und, wie ich hoffe, nicht mißlungenen Rilke-Liedern inspiriert, die ich in den letzten vierzehn Tagen geschrieben habe.
In der Hoffnung, noch vor Ihrem Pariser Besuch wieder von Ihnen zu hören, grüße ich Sie beide herzlichst als
Ihr
Walther Hirschberg
Sind neue Bilder entstanden?"