Resultate:  1

Brief von Kurt Heinz Matthies (Karl-Heinz) an Hannah Höch. [Leipzig]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Kurt Heinz (Karl-Heinz) Matthies (*1910)

  • TitelBrief von Kurt Heinz Matthies (Karl-Heinz) an Hannah Höch. [Leipzig]
  • Datierung04.03.1937
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang1 Blatt, 1 Umschlag
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 301/79
  • Andere NummerBG-HHE II 37.4
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

"4/III 37.
Liebstes Hannchen!
Deine beiden lieben Briefe haben mir wieder sehr viel Kraft gegeben. Ich bin selbst sehr unglücklich darüber, dass ich oft so hässlich zu Dir bin. Die Ursache ist grossenteils darin zu suchen, dass in mir doch bestimmte Triebvorstellungen stecken, die ich nicht abreagieren kann. Wir müssen unbedingt darüber sprechen, wenn ich zurück bin. - Dass ich an dem Abend nicht bei Hirschberg sein konnte, bedaure ich sehr. Ich glaube schon, dass Du mit Deinem Urteil über ihn recht hast. Übrigens finde ich auch das Zitat von Hildebrandt recht zutreffend.
Die Messe verläuft für mich weiter recht befriedigend. Heute habe ich z. B. über 700.- RM umgesetzt, während Schönth., Klopstock u. Rob. Schönthal zusammen nur knapp 300.- gemacht haben. Es ist jedoch auf die Dauer recht anstrengend - man kommt weder zum Essen noch zum Sitzen. Ich bin morgens kurz nach 8 stets mit dem Regner u. Philaus am Stand - Du wirst lachen. Schlafen tut man da natürlich auch nicht genug. Abends esse ich mit den beiden Schö zusammen. Sie lassen Dich übrigens herzlich grüssen. Gestern war ich im Kino («San Franzisco) - sei bitte nicht böse darüber. Es ist filmtechnisch auf jeden Fall interessant wegen des Erdbebens, sonst weniger.
Liebes Han Du, trotz all der hässlichen Vorkommnisse, an denen ich die Schuld trage, verspreche ich Dir, alles zu tun, um unser Leben schön zu gestalten und doch etwas daraus zu machen zu versuchen, denn ich liebe Dich doch auch sehr, sehr, Hannah!
Und nun werde ich den Brief in den Kasten stecken und nach Hause fahren und ins Bett kuscheln. Und weisst Du in welches? In dasselbe Bett, in dem Du hier in Leipzig geschlafen hast. Ich wohne nämlich seit gestern bei der Frau Lies. So spüre ich wenigstens noch einen Hauch von Dir in meinem Zimmer. Ich habe grosse Sehnsucht Han und werde eigentlich froh sein, wenn die Messe vorbei ist. Ich denke sehr an Dich und grüsse Dich allerherzlichst, Hannchen.
Dein Junge."