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Brief von Kurt Heinz Matthies (Karl-Heinz) an Hannah Höch. Narwa
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Kurt Heinz (Karl-Heinz) Matthies (*1910)

  • TitelBrief von Kurt Heinz Matthies (Karl-Heinz) an Hannah Höch. Narwa
  • Datierung07.10.1943
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 295/79
  • Andere NummerBG-HHE II 43.6
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

"Narwa (am finnischen Meerbusen), 7.10.43.
Meine liebe Hannah,
möchte Dir doch schnell mal ein paar Zeilen von diesem ziemlich entlegenen Städtchen (150 km vor Leningrad) zukommen lassen, wo ich auch nicht glaubte, in meinem Leben jemals hinzukommen. Trotz augenblicklicher Feldpost Nr. bin ich beruflich als Zivilist hier, wenn ich auch sonst in guter Wehrmachtsverpflegung u. Unterkunft reise, da ja Militärverwaltung.
Riga war enttäuschend. In Pleskau am Peipussee habe ich ein Stückchen typisches Russland kennengelernt. Dagegen war Reval, Estland's Hauptstadt, eine angenehme Überraschung. Nichts Ostisches, viel Eleganz u. Kultur («Paris des Ostens»); typische mittelalterliche Hansestadt, mit seiner Burg sehr an Nürnberg erinnernd. Schöne Herbsttage am Meer u. Autofahrten durch herrliche Wälder an der Küste in Hafenstädte (Baltischport - Hungerburg bei Narwa, usw.). Alarme nur hier ganz selten. Am 20. werde ich wohl wieder zurück sein. Es sind allerdings lange strapaziöse Bahnfahrten: nur Holzklasse; für 250 km meist 15-16 Std.
Wie geht es Dir? Was machen Häuschen und Garten. Ich freue mich sehr auf einen schönen Alexander-Apfel (In Pleskau kostete ein murkliger Kröps von Apfel 2 Mark, Tomate oder Ei dito).
Was macht die eigene Arbeit? Wie war es bei Kempff? Hoffentlich hast Du die Karte erhalten - ich wäre so gern auch hingegangen. In Reval hörte ich einen Abend von Walter Rummel, der mich sehr enttäuschte (Bach - Beethoven - Liszt).
Die Kathedrale von Pleskau war ein starker Eindruck: Steiler, wuchtig hochschiessender Zentralbau mit hohen Kuppeln u. riesigem 40 m hohen unversehrtem Barockaltar u. Ikonen; feierliche, sehr feierliche Vesper, die mich sehr an Assisi erinnerte - hinzu kam hier die ganz starke gläubig-passive Hingabe der verdreckten u. primitiven russischen Bevölkerung mit merkwürdigen Gesängen in alten Kirchentonarten. - Inzwischen Dir und dem Getüm das Allerbeste und auf ein gesundes Wiedersehen Ende Oktober allerherzlichst Heinz"