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Brief mit einer Zeichnung von Thomas Ring an Hannah Höch. [Johnsbach/Steiermark]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Thomas Ring (1892 - 1983)

    • Involved Persons Thomas RingKorrespondenzpartnerAbsender/inHannah HöchKorrespondenzpartnerAdressat/in
  • TitleBrief mit einer Zeichnung von Thomas Ring an Hannah Höch. [Johnsbach/Steiermark]
  • Date10.06.1933
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben, gezeichnet
  • Amount1 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 512/79
  • Other NumberBG-HHE II 33.12
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

"10. Juni 1933
Liebe Hannah,
«Laßt Blumen sprechen» hätte ich am liebsten ergänzt durch «laßt Felsen sprechen» und Dir einen Kalksteinblock mitgeschickt. Die gelben Blumen, die Du vielleicht für simple Schlüsselblumen gehalten hast (solltest Du Pflanzenkundige?) wachsen nämlich hoch oben auf den Felswänden in ganz schmalen Spalten, deshalb habe ich etwas Heimatboden nämlich Verwitterungserde aus Kalkfels, zum Einpflanzen mitgeschickt. Ich hoffe, Deine Intelligenz hat aus dem Ansehen der Dinge begriffen und richtig gehandelt. Sind sie nun angewachsen? (Man nennt sie hier «Petergstamm»). Der Enzian auch? Hättest Du mich darum kraxeln gesehen und nachher meine aufgerissene Hand, dann würdest Du sie noch treulicher pflegen, als Du wohl ohnehin tust. Sie brauchen Sonne, Ruhe und einen luftigen Platz, Euer Balkon wird wohl das alles bieten und gegen Fassadenkletterer geschützt sein. Außerdem samen sie sich (nicht die Fassadenkletterer, sondern der Petergstamm) an ihrem Standorte aus und Du kannst nächstes Jahr wieder welche haben. Vielleicht machst Du eine kleine Felsenatrappe und malst eine Alpenlandschaft dahinter, auch kann man in der Küche eine Kuhglocke in Bewegung setzen, die ferne Herden andeutet. Etwa so, damit Du gleich unseren Lageplan hast: [Zeichnung]
Dein Brief hat uns sehr sehr gefreut! Nur steht er bisher noch einzig da und wartet auf Nachkommen. Wohnung mit Warmwasser, Bad und so ist schon eine Sache ich hörte übrigens, Du hattest in der alten Wohnung noch unangenehmen Besuch [1] und dabei fallen mir meine Wertsachen ein. Es ist doch nichts mit gekommen? Hast Du Dir übrigens damals im Herbst, als ich schrieb, meine Ölfarben abgeholt? Wenn nicht, sind sie futsch, die Staffelei auch. -
Ich krieg heut nichts Gescheites zusammen, weil ich mich an die Lehrbriefe verausgabt habe, nächstens kriegst Du den ersten zugeschickt und entdeckst dort hoffentlich mehr, unsere konkreten Veränderungen wird Dir Gertrud berichten. Um nun auf umstehenden Fassadenkletterer zurückzukommen ..... wir wohnen zwar «auf der Höch» (so nennt man hier den 1. Stock, der Boden heißt «Überhöch), aber das ist eben eine andere Höch als die wir meinen, die immer Einreisesperre zu haben pflegt, wenn keine Ausreisesperre ist und umgekehrt .... Wann und wo wird dieser Nullpunkt ausgefüllt? Mit Reuh und Kuß auf diese noch imaginäre Überhöch
alles Liebe Dir
Thomas
Gertrud bäckt eben draußen Hasen, Vögel, Sterne .... Die Natur ist hier schön und mächtig, wie immer. Nachdem wir noch dicken Schneefall hatten, sprießt es hervor, wo nur eine Handbreit Boden ist, in tausendfacher Gestalt."

[1] Am 12. Januar 1932 brachte Hannah Höch einen Einbruchdiebstahl in ihre Wohnung Büsingstraße 16 zur Anzeige.