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Brief von Elfriede Hausmann-Schaeffer an Hannah Höch
    • Elfriede Hausmann-Schaeffer (1876 - 1952)

  • TitleBrief von Elfriede Hausmann-Schaeffer an Hannah Höch
  • Date[Kurz nach dem 29.4.1918]
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount1 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 429/79
  • Other NumberBG-HHE II 10.35
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description

„Sie haben mich durchaus falsch verstanden, aber ich möchte Ihnen hierauf zwei Dinge sagen. Gerade so, wie Sie Raoul in seinem Brief vernichten, so vernichten Sie mich in dem an mich gerichteten. Wo aber bauen Sie weiter auf? Ich bin nicht an Sie herangegangen, um Sie zu zerstören, oder meine Wünsche zu befriedigen, nein. Und dann, warum haben Sie ihn damals nicht genommen, als Sie ihn haben konnten? Erstens hat er doch mehrmals bei Ihnen bleiben wollen, und dann habe ich doch sicher damit gerechnet, daß er im Januar bei Ihnen bleiben würde; daß er wieder kam, muß Ihr eigener freier Entschluß sein. - Wenn ich nur mein Gewissen beruhigen wollte, so brauchte ich ja nur zu sagen, kommen Sie und holen Sie ihn sich. - Fortschicken wollte ich ihn nie, denn das kann man nicht, solange man die geringsten Beziehungen zu einem Menschen hat. Und das muß ich Ihnen zum schwersten Vorwurf machen, daß Sie immer bereit waren, ihn aufzugeben. Soll ich Ihnen sagen, daß meine Liebe so groß ist, daß ich alles für ihn tun werde, auch sterben, auch ihn nicht aus Egoismus zurückhalten. Vor dem blauen Himmel hätte ich Sie nur bewahren wollen, denn den giebt es leider nicht, vielleicht wäre das Erwachen daraus nur schrecklich gewesen. Ist es Ihnen bewußt, daß Sie zu mir noch gar keine Beziehungen gehabt haben, daß aber aus Ihrem Brief an mich hervorgeht, daß Sie unfehlbar Beziehungen zu mir haben, oder bekommen werden, wenn Sie mit ihm allein sind? Ich kann weder Ihren Haß, noch Ihre Hochachtung annehmen. Der erste ist kindlich und eine naive Selbstrettung und die zweite - Meinen Sie, daß ich zerstören wollte und daß darin meine Stärke besteht? Mit gutem Gewissen kann ich nein sagen. Ich möchte Ihnen noch sehr viel sagen, aber das ist unmöglich so schnell und in Briefen. Daß es mich etwas gekostet hat, bis hierher zu kommen, leugne ich nicht. Aber stehen wir da nicht gleich? Wir haben beide gelitten, und wir müssen es, um höher hinauf zu kommen. Sie selbst sagen, daß ich Ihnen Vertrauen entgegenbringe, Sie sprechen mir dafür von Dankbarkeit, die ich von ihm verlangt hätte! Wie mißverstehen Sie mich, und Verzeihung, auch ihn noch. Was ich von Ihnen glaube, ist, daß Sie einer großen Liebe fähig sind, daß Sie dazu aber immerhin noch einiges an sich ändern müssen.
E.S.
Würden Sie nicht lieber Ihre Adresse angeben, damit man bei derartigen Erklärungen besser direkt mit Ihnen verkehren kann? Er wird sicher nicht gegen Ihren Willen hinfahren.“