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Brief von Raoul Hausmann und Elfriede Hausmann-Schaeffer an Hannah Höch
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitelBrief von Raoul Hausmann und Elfriede Hausmann-Schaeffer an Hannah Höch
  • Datierung[Mai/Juni 1918]
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang2 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 732/79
  • Andere NummerBG-HHE I 10.58
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

„Gewißlich habe ich viel Falsches und nicht-gutes getan, nicht versucht genug Dir entgegen zu kommen - Ich leugne doch nicht, daß ich Schuld hatte - aber Liebe war Dein Verhalten nicht, sondern Verurteilen. Das solltest Du doch begreifen, wieviel Böses dahintersteht, daß Du auf Deinem Recht bestehst, zitterst, halsstarrig und grob bist, nicht auf mich zukommst. Das ist ja alles irgendwie oberflächlich richtig was Du mir vorwirfst - aber »keinen Sinn mehr« kann nur Nichtliebe und Nichtbegreifen sagen. Erinnere Dich doch daran, daß Du mehrmals gesagt hast, Du wolltest es mir leichter machen, mehr aufpassen, helfen - ja wann tust Du was andres als Fallenlassen und Fortlaufen und Dich abschließen? Das müßtest Du begreifen, daß Du das nicht tun darfst. Und Du zeigst damit, daß darin noch Rache für den Sonntag ist. Sei doch gut und stark und gestehe Dir ehrlich, daß Du an einem Punkt wegzulaufen pflegst, wo Du es leicht hast, Dich hinter dem Dir geschehenen Unrecht zu verschanzen. - Warum hast Du heute, wo Du zu hause warst, E.S. nicht geöffnet? Weil sie meine »Agentin« ist? Hat sie nicht versucht, gestern, mit Dir gut zu sein? Hättest Du nicht die Pflicht, mit ihr zu sprechen, damit sie Dir und mir zeigt, wo wir uns mißverstehen? Hast Du nicht selbst gesagt, am vorigen Mittwoch: wir haben etwas zu Dreien erreicht? Darfst Du danach, wenn dies Wahrheit war, (und das glaube ich) Dich verschließen? Darfst Du so an allem Menschlichen zweifeln, daß Du nicht mal ihr gestattest, Dir einen Sinn, der Dir verloren scheint, zu zeigen? Was glaubst Du überhaupt von Menschen? - Das geht nicht, wie Du es machst: wenn Du auch ihr mißtraust, also nur Dir glaubst und traust - dann bist Du nicht unschuldig, sondern mitschuldig. Darf ich noch einmal sagen: wer kommt immer wieder? Und warum gibst Du Deiner Schwäche so nach, daß Du Dir sagst, Du kannst nicht mehr, statt: du willst nicht mehr - wo Du doch weißt, daß Du um der Liebe zwischen uns willen sagen mußtest: ich will und muß können? Alles tun, damit nicht getrennt wird? Nicht nur gerecht sein? (Ich bin’s oft auch nur, aber ich bereue es!) Darum sage ich Dir: ich habe mein gestriges Negativum dadurch zu überwinden, daß ich ganz ruhig zu Dir komme - kein Wort mehr über alles das spreche, und gut bin. Weil ich ungerecht und brutal war. -
Ich erwarte Dich um 1/2 12 Uhr vor Deinem Haus. Du mußt aber kommen! Sieh wenigstens meinen guten Willen - und daß ich Dir vertraue! Hilf doch Halten - ich werde alles tun um Dich nicht abzuschrecken. Ich will mehr positiv tun; statt zu verlangen. Aber komm schnell.“//
[Elfriede Hausmann-Schaeffer:]//
„als ich heute morgen von deiner Tür fortging, dachte ich mir, ich wollte da sicher nicht wieder hingehen, denn schließlich kommt man sich ja nicht nur
blödsinnig vor, sondern erschlagen. Wie kann man denn einem Menschen so etwas anbieten, was habe ich dir denn um Gottes willen getan? Denkst du, daß ich dich gestern abend beschwatzen wollte? Ist mir nicht eingefallen. Wenn er dich gewiß manchmal nicht versteht, du verstehst ihn aber auch nicht. Ich komme um 8 Uhr noch mal; gieb mir irgend ein Zeichen; ich bin auch dann zu Hause, auch allein für dich, aber tu es bitte, denn das kann ich nicht ertragen, ich bin vollkommen kaput. Wenn ich etwas verkehrt mache, will ich’s gut machen, aber so behandelt werden, ist menschenunwürdig. Sag mir doch, was du willst, aber sag etwas. Ich mache Fehler, er auch, aber dann bleibe doch nicht einfach fort, und laß einen sitzen. Wenn wir schon beide miteinander waren, so laß uns doch das nicht wieder verlieren, bitte. Wir hatten etwas erreicht zu dreien, wenn es nun kaputt gegangen ist, so sind wir sicher alle drei Schuld, aber laß es uns doch wieder aufbauen. Wenn wir dich quälen, so wollen wir das ja garnicht, nur überhaupt etwas tun, damit du uns bleibst.“