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Brief von Arthur Segal an Hannah Höch. La Ciotat Bouche-du-Rhone
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Arthur Segal (1875 - 1944)

  • TitleBrief von Arthur Segal an Hannah Höch. La Ciotat Bouche-du-Rhone
  • Date[Juli/August 1929]
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount1 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 535/79
  • Other NumberBG-HHE II 29.11
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

"La Ciotat Bouche du Rhône
Villa Villula.
Liebes Hannchen
verzeih dass ich nicht gleich auf deinen ausführlichen Brief geantwortet habe. Ich habe sehr viele Postkarten mit Ansicht verschickt, aber dir wollte ich einen Brief schreiben und bin nicht dazu gekommen weil es nämlich hier sehr schön ist und weil man darum nicht zum schreiben kommt. Abgesehen davon dass es schön ist habe ich zu malen angefangen und auch zu schreiben, und da bin ich fortwährend in Konflikt mit mir was ich zuerst tun soll. Ich bin nach dem Süden gefahren weil mir die Ostsee bezüglich der Sonne unsicher war, und weil mir die Sonne notwendig ist. Also bin ich hier in erster Linie der Gesundung wegen - Und nun bin ich wie gesagt stets im Kampf was ich zuerst tun soll. Soll ich malen, soll ich schreiben, oder soll ich meinen Körper der Sonne aussetzen - Und so ist es auch mit dem Schreiben und darum schreibe ich dir erst heute und danke dir für deinen Brief. -
Ich habe mich sehr gefreut dass du grossen Erfolg im Haag [1] gehabt hast. Buijs [2] hat mir davon erzählt - und dass du eine Ausstellung hattest wurde mir von Lebeaus [3] angezeigt. Ich freue mich dass dir Holland viel gegeben hat und dass du dich dort wohl gefühlt hast - aber dass du wieder nach Berlin kommst freut mich mehr, denn Berlin bleibt doch die Stadt die am lebendigsten ist und die andere Anregungen geben kann als Holland. Schliesslich sind geistige Menschen auf Anregungen angewiesen und je vielseitiger sie sind desto besser. - Wir wollen hier bis Ende August bleiben und dann für 10 Tage nach Paris fahren. Ich bin neugierig wie es auf mich wirken wird. Man erzählt allgemein dass Berlin in geistigen Dingen doch lebendiger sein soll und dass Berlin die Stadt der Probleme ist, während Paris die Stadt des angenehmen Lebens sein soll. Auf alle Fälle will ich einen Eindruck mitnehmen. Es wird ja nur sehr oberflächlich sein aber immerhin! Darum sage ich dass es gut ist wenn man in Berlin ist und dass du zurückkommst ist gut. - Von uns ist zu berichten dass es uns gut geht - wir sind alle braun wie die Araber und geniessen das Neue das wir jeden Tag erleben. Süd Frankreich ist fabelhaft - aber noch fabelhafter war der Münster zu Strassburg - Und da habe ich erlebt dass - wenigstens für mich - der menschliche Geist doch das Herrlichste ist und dass wir daran arbeiten müssen denn es ist das Einzige das uns das Leben lebenswert macht. -
Verzeih wenn ich aufhöre - vielleicht bist du sogar froh! - Doch nein - das bist du nicht - aber ich höre dennoch auf dir von uns allen Herzliches sagend und wünschend und ebenfalls Frl Brugman der ich viel Erfolg zu den Grotesken wünsche die ich in Berlin hoffentlich auch lesen oder hören werde.
Euch Beiden alles Herliche und Gute von uns allen -
Euer Arthur Segal.
Grüsse De Bron's [4] und Buijs - Buijs soll nicht zu viel arbeiten! -"

[1] Ausstellung von Hannah Höch in der Galerie De Bron in Den Haag vom 11. Mai bis zum 7. Juni 1929.
[2] Jan Buijs.
[3] Chris (Joris Johannes Christiaan) Lebeau (1878-1945), niederländischer Maler und Kunstgewerbler.
[4] Damit sind Chris Lebeau und seine Lebensgefährtin Ditte van der Vies-Heyting gemeint.