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Brief von Arthur Segal an Hannah Höch. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Arthur Segal (1875 - 1944)

  • TitleBrief von Arthur Segal an Hannah Höch. Berlin
  • Date30.10.1931
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben
  • Inscriptionhandschriftliche Anmerkung von Hannah Höch
  • Amount1 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 532/79
  • Other NumberBG-HHE II 31.18
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

Mit handschriftlicher Anmerkung von Hannah Höch: "Artur Segal hatte in diesem Jahr sehr süssliche, ganz naturalistische Heidebilder eingesandt und ich stimmte auch dafür, dass sie nicht im Hauptsaal aufgehängt wurden, wo sie wirklich sehr schlecht wirkten. Er hat es sehr übel aufgenommen."

"Charlottenburg, den 30. Oktober 1931.
Liebe Hannah Höch,
In der Novembergruppe war man mir seit jeher nicht wohlgesinnt und man suchte mich in den Hintergrund zu drängen, wo man nur konnte. Immer war es ein Kampf um die Hängerei. Nur einige Male gelang es mir mit Hilfe von Hilberseimer oder Dungert zur Wirkung zu kommen, da ich selbst nicht schamlos genug bin, mir anständige Plätze zu erzwingen - wie manche es tun. Sonst war ich der Gruppe insofern angenehm, als dass ich für die Schwachen gegen die sich stark Vorkommenden eintrat und verhinderte, dass viele rausgeschmissen wurden.
Nicht der Novembergruppe habe ich es zu verdanken, dass ich mich einigermassen durchgesetzt habe, sondern meinen sonstigen Bemühungen ausserhalb der Gruppe, wo ich meistens anständiger behandelt wurde und Verständnis erlebte.
Schon lange empfand ich, dass die Nov. Gruppe wie ein Alpdruck auf mich lastete, denn nur aus Anständigkeit blieb ich, nicht aus innerem Zusammenhang oder Notwendigkeit.
Und dieses Mal [1], wo ich so perfide an die Wand gedrückt wurde, da machte ich Schluss.
Einen Tag vor der Eröffnung zeigte man mir wie ich gehängt wurde - so war es ausgemacht - bescheiden genug. Aber ich war einverstanden. Und als ich zur Eröffnung kam, da hatte man mich wieder umgehängt und hatte dazu die Gelegenheit benutzt, dass ich es nicht mehr sehen kann.
Aber genug davon.
Ich bin froh und frei jetzt - es ist auch höchste Zeit.
Dass aber auch meine Freundin bei dem Vorlesen meines Austrittsbriefes gegen mich auftrat und sich auf Seiten der «Hängekommission» stellte / sie hätte zum mindesten schweigen sollen / das ist die Bitterkeit, die ich gegen dich habe.
In der «AUA» [2] / Juryfrei [3] / ist es mir gleich wo ich hänge, da dort jetzt die Plätze verlost werden. Ich selbst habe für dieses System gekämpft. Aber in der Nov. Gruppe ist es anders. Da war es die Pflicht, mich günstig zu behandeln und nicht direkt ungünstig, denn meine Arbeit hat das Recht dazu. Dass du gegen mich gesprochen hast, wie ich von mehreren Seiten hörte - das war und ist nicht schön.
Und nun Schluss.
Ich wünsche dir alles Gute und lass es damit gut sein. Lass mir meinen jetzigen Zustand, wie soll ich es sonst nennen?
und lebewohl
Dein
Arthur Segal"

[1] Die Ausstellung der Novembergruppe 1931 fand im neuen Haus des Vereins Berliner Künstler, Tiergartenstraße 2 a, vom 3. Juli bis 3. August statt. Im Ausstellungskatalog sind keine Werke von Segal verzeichnet.
[2] AUA, die Allgemeine Unabhängige Ausstellung.
[3] Juryfrei, die Juryfreie Kunstschau, ab 1930 Freie Kunstschau.