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Brief von Arthur Segal an Hannah Höch. Wenningstedt
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Arthur Segal (1875 - 1944)

  • TitelBrief von Arthur Segal an Hannah Höch. Wenningstedt
  • Datierung25.07.1925
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang2 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 534/79
  • Andere NummerBG-HHE II 25.17
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

"Wenningstedt a/Sylt
bei Chr. Meyer
25 Juli.25.
Liebe Nacha Hähn -
Vielen Dank für deinen lieben Brief - Dass du mir gut bist weiss ich - denn ich bin dir auch gut - Es ist nicht wahr dass man jemand gut sein kann ohne dass der Andere auch zurück gut ist. Ich glaube nicht daran - Und wo es so zu sein scheint ist es nicht ganz. Es ist doch Bitterkeit dabei, wenn man noch so ein Held des Verzichtens ist - Nein Hähnchen! Liebe um Liebe - Hass um Hass. Wer mich hasst dem bin ich nicht ganz grün, und wer mich liebt der hat mich dadurch schon gekauft. Also: dass du mir gut bist weiss ich - denn ich bin dir auch gut - Und ich wünsche dir von Herzen Gutes. Du bist ein Geschöpfchen das man mit Liebe umgeben soll - Und so zart und gebrechlich du scheinst, so lebenstüchtig bist du auch - und du wirst den Schwierigkeiten des Lebens Herrin - Ich bewundere dich oft - und liebe dich immer - Wenn wir in Berlin sind musst du uns erzählen -
Was die Angelegenheit mit der Nov. Gruppe anbelangt so kann ich dir sagen was ich weiss - ich weiss aber nicht ganz denn ich bin inzwischen weggefahren - Also. Die Nov. Gruppe hat fast ihr letztes Geld für die Ausstellung ausgegeben [1] - Und nun handelte es sich darum Geld zu bekommen - Man hatte den Plan an die Regierung heranzutreten mit der Bitte um Unterstützung damit wenigstens die Unkosten der Ausstellung gedeckt werden - Es war ein Plan von Belling [2] - Dem entgegen trat Gellhorn indem er sagte, es sei richtiger dass die Regierung von Künstlern der Nov. Arbeiten kaufen soll - die Gruppe wird schon Geld sich auf andere Weise verschaffen müssen - Und wenn die Regierung wie sie beabsichtigte Arbeiten ankauft dann kann man sie nicht um Subvention für die Gruppe angehen - Soweit war die Unterhaltung in der Sitzung gediehen als ich fort musste - Nachher wurde mir erzählt dass man übereingekommen sei die Mitglieder zu bitten sie sollen falls sie an die Regierung verkaufen 50% der Nov. Gruppe geben. Es wurde allen Briefe geschrieben - Auch wurden die Mitglieder gebeten die Preise zu reduzieren damit viele angekauft werden können. Ich persönlich war damit einverstanden dass man 50% der Gruppe geben soll. Nun hörte ich als ich schon hier war dass die Meisten nicht einverstanden waren 50% zu geben. Ich persönlich zweifelte auch dass die Regierung was kaufen wird - Von der Gruppe waren 12 Mitglieder vorgeschlagen d. h. man wollte 12 Mitglieder vorschlagen - unter diesen warst du auch - gekauft sind wie ich neulich in der Zeitung las nur 6 worden - Ich glaube kaum dass da der Einfluss der Gruppe mitsprechen konnte - Ausserdem schätzt man dich sehr und auch deine Arbeiten. Man hat es dir sicherlich nicht übel genommen dass du nicht 50% geben wolltest - Ich werde mich jetzt auch sträuben 50% zu geben wenn es nicht Alle getan haben - Es wäre ein Unrecht dass ich von 600 M. die ich bekommen soll 300 abgebe, und Andere nur 20% von ihrer Verkaufssumme - Wenn ich in Berlin bin dann will ich mich erkundigen bei Graetz [3] warum Gehricke sein Wort dir gegenüber nicht erfüllt hat - Aber wie gesagt ich kann schwören dass man dir sehr gut ist - Sieh; von Fuchs [4] und Förster [5] sind auch nicht gekauft worden und noch von Anderen - Ich glaube es war nicht genug Geld vorhanden, denn der Staat hatte von der Akademie und Grossen Berliner und von der Sezession gekauft unter anderen auch Corinth und Liebermann, und diese sind natürlich nicht billig - Aber wie gesagt ich will mich näher erkundigen - Ausserdem habe ich - wahrscheinlich auch du - eine Bekanntmachung der Gruppe erhalten dass am 7 August eine Sitzung der Mitglieder stattfindet - Ich glaube dass man dort alles erfahren wird -
Nun einstweilen genug davon - Hier ist es sehr schön obzwar auch eine Hitze zum Umkommen, aber wenigstens reinere Luft - Am 30 Juli fahren wir nach Hause - Alle, haben wir uns gut erholt - Erna ist schwärzer als eine Negerin - ihre dunkelbraunen Augen stehen als helle Flecke in ihrem schwarzen Gesicht und wenn sie lacht dann funkelt das Weiss ihrer Zähne und blendet stärker als die Sonnenhelle -
Wir alle grüssen dich herzlichst und bald auf Wiedersehen//
deine Segals"//

[1] Die Jahresausstellung der Novembergruppe fand separiert von der Großen Berliner Kunstausstellung in den Räumen der Berliner Secession, Kurfürstendamm 232, vom 30. Mai bis Ende Juni 1925 statt.
[2] Rudolf Belling.
[3] Hugo Graetz.
[4] Heinz Fuchs.
[5] Peter Foerster.