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Brief von Christof Spengemann an Hannah Höch. Hannover
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Christoph Spengemann (1877 - 1952)

  • TitelBrief von Christof Spengemann an Hannah Höch. Hannover
  • Datierung20.06.1923
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang2 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 544/79
  • Andere NummerBG-HHE II 23.13
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

"Hannover, 20.6.23//
Liebes Fräulein Höch!
Ich hab mich sehr gefreut, von Ihnen zu hören und danke Ihnen schön für Ihre Mühe. Das Übrige ist belanglos. Selbstverständlich behalten Sie den Mann ohne Wolle; es ist mir lieb, daß er in Ihre Hände kommt.
Sie schreiben garnicht, wie es Ihnen geht. Ich hoffe, gut! Uns auch. Ich hab eine neue Erwerbstätigkeit bekommen und bin jetzt Direktor einer A. G. [2] Ist das nicht komisch? Die Anrede lautet also «Lieber Herr Direktor». Wir machen Leim für Maler, und so bin ich doch etwas im Rahmen geblieben. Es sind zwar keine Maler, die von rechts nach links, sondern von oben nach unten streichen, mit dem großen [Zeichnung: Pinsel]! Infolge dieser Veränderung hatte ich viel zu tun und mußte mich erst mit manchem abfinden, was mir neu war. So bin ich dann nur wenig zu künstlerischer Tätigkeit gekommen. Aber langsam tauche ich wieder auf. Ich muß sagen, daß mir die übrige Sache auch Spaß macht. Sie ist insofern produktiv, als ich das Ganze von Grund auf aufbaue und nach meinen eigenen Plänen gestalte. Die kleine Fabrik liegt ganz draußen, wo die Heide anfängt, und das Drum u. Dran ist infolgedessen sehr reizvoll.
Ich möchte gern mal nach Berlin kommen. Aber geschäftliche Beziehungen dorthin bestehen noch nicht, und im übrigen mangelte es an Zeit. Ich hoffe aber, daß es bald mal möglich sein wird.
Gegenwärtig schreibe ich hin und wieder an einem «Roman». Eine andere Sache hab ich seit vorigem Herbst beim Reiß-Verlag, dort. Und nun komme ich mit einer Frage. Haben Sie direkt oder auf Umwegen Beziehungen zu diesen Leuten? Und dürfte ich Sie in diesem Falle bitten, einmal zu hören, was mit meinem Manuskript los ist? Aber nur, wenn Sie es ohne Mühe erfahren können. Die Sache liegt so: ich hatte zuvor angefragt, ob ichs zur Prüfung einschicken könne; die Leute sagten ja und ich schickte. Anfang dieses Jahres reklamierte ich u. erhielt keine Antwort. Vor 14 Tagen etwa schrieb ich abermals und legte Freicouvert bei. Aber bis heute ist noch keine Nachricht da. [3] Das ist doch etwas unanständig. Vielleicht halten die Leute diese Arbeit für Quatsch; vielleicht ist sie's auch. Aber immerhin könnte man doch Nachricht geben. Ich hatte eben zu wenig Zeit, sonst würde ich garnicht so lange gewartet haben. Und nun weiß ich nicht recht, wie man den Leuten entgegentreten soll.
Entschuldigen Sie die Zumutung, aber möglicherweise sitzen Sie nahe an der Quelle.
Inzwischen leben Sie wohl. Meine Frau und ich grüßen Sie sehr herzlich!
Ihr Christof Spengemann
Aber kommen Sie denn nicht bald wieder nach hier?"//

[1] Christof Spengemann.
[2] Christof Spengemann war zu dieser Zeit Direktor der Zentralwerk Aktiengesellschaft Isernhagen-Hannover.
[3] Die Schwierigkeiten, die Spengemann im Brief anspricht, könnten daher rühren, daß sich der Verlag Reiß & Krüger in Berlin in Auflösung befand (im Deutschen Bücherverzeichnis der Jahre 1921-1925 wird der Verlag als erloschen geführt).