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Brief von Ditte van der Vies-Heyting an Hannah Höch [und Til Brugman]. Scheveningen
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Ditte van der Vies-Heyting

  • TitelBrief von Ditte van der Vies-Heyting an Hannah Höch [und Til Brugman]. Scheveningen
  • Datierung22.11.[1933]
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang2 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 592/79
  • Andere NummerBG-HHE I 33.20
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
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Übersetzung aus dem Holländischen:
"Scheveningen 22 Nov.
Liebe und gute Menschen,
obwohl wir selbst so schlechte Schreiber waren, sind wir froh, wenn wir Nachricht kriegen, und so waren wir glücklich, wieder etwas von Euch zu hören. Hannah, dieser Brief ist eine echte holl. Lektion für Dich, nicht wahr? Aber so vergißt Du dann das kleine Den Haag nicht! Ich sitze hier sehr gemütlich, beide Öfen sind an und die Vorhänge geschlossen. Draußen ist es sehr nebelig, so daß vom Leuchtturm ein anhaltendes Hupen ertönt. Oh, Hannah, wenn ich Dir erzählen könnte, wie schön die See und der Strand im Moment sind. Manchmal ist es, als ob ich es zum ersten Mal so schön sehe, und manchmal, wenn wir am Strand laufen, scheint es uns, als ob das Wasser viel höher als das Land liegt. Die Seemöwen kommen bis vor Cors Haus und betteln um Brot, und Tes ist sehr erstaunt und wütend, wenn ich das Brot so nach unten werfe. Ja, unser Häuschen ist nett und wird schon wieder [wie] unser eigenes home. Ich hoffe Hanah, daß Du was verkaufen wirst, hast Du noch was vom Kunstkreis in Rotterdam gehört? Nein, Harry kam nicht übernachten, er hatte andere Arbeit bekommen und konnte nicht kommen. Dafür kam ein anderer Maler aus Amsterdam zu uns, der unser Haus nun «das Himmelchen» getauft hat, und er und seine Frau sprechen nun so darüber, was würde Tils Mutter das schändlich finden. Oh, Til, wie kannst Du uns nur zum Skilaufen einladen. Ich mit meinem Knöchel und die Schwester mit ihrer Winterangst, so etwas Herrliches ist uns «Armen» nicht vorbehalten, wir müssen der Wärme hinterher, schade, nicht? Dein Plan scheint mir herrlich. Ich erzählte es Buijs weiter, aber er hatte Deine Anfrage auch schon. Wir waren einigen Tage dort, bei ihm Kriele und den Kästen prächtiger Steine, aber sie fahren wahrscheinlich doch, können aber auf keinen Fall Weihnachten mitkommen. Der arme Jan muß beim Zahnarzt unters Messer. Es muß viel gemacht werden, und wir dürfen nicht darüber sprechen, er hat was dagegen. Den Albichts geht es gut. Er arbeitet hart und sie haben jetzt Mieter. Das sind die letzten Neuigkeiten. - Brams erste Werkaufführung ist 1 Dec in Amsterdam, dafür fahren wir dort hin. Schwesterchen hat sehr viel mit der Esperanto Propaganda zu tun. Abende mit Lesungen und sogar Filme und Kongresse und weiterhin mit 4 Kleidern gleichzeitig, die nicht fertig werden. Tes und Bob sind überzeugt, daß sie selbst in Berlin berühmt werden und schicken Euch Pfoten [im Sinne von "Grüße"], der kleinen Hanah Samtpfoten und an Til Hundepfoten. Hanah, laß Deine Haare, die Kartoffelrezepte laufen nicht weg, und ich muß Dir ehrlich sagen, wir essen doch sehr wenig Kartoffeln, und es wäre doch schade, wenn auch Dein Haarflaum ausfallen würde.
Oh Himmel, ich hatte Leute zum Essen eingeladen und fragte, was sie haben wollten. Oh je, sie wählten Stockfisch! Ich war wie gelähmt wegen der Erinnerung. Nun, sie haben es bekommen und soviel gegessen, daß ich Gott sei Dank keine Reste hatte. Sie waren verzweifelt als sie hörten, daß ich diesen Sommer aus lauter Verzweiflung eine Pfanne weggeworfen habe. Es ist doch niemals richtig in der Welt, was man auch macht, also nicht darum getrauert.
Ich war ein paar Tage sehr angenehm allein in Brüssel und wurde von Zus mit offenen Armen empfangen. Wir überlegen immer noch, wo wir hin müssen, um Väterchen Frost zu entkommen, und in dem Moment, wo wir mit viel Mühe und Sorge und Überlegungen dachten, etwas zu wissen, hören wir, daß da im vorigen Winter Schnee und Eis lag, und die Menschen dort selbst keine Bedenken hatten, nun, das ist für mich dann auch kein glaubwürdiges Land mehr, ob wir demnach froh gewesen sein müßten, wissen wir noch nicht, insofern finde ich es hier in Scheveningen in unserem Häuschen doch ziemlich schön. Hanah, wie geht es mit Deiner Gardenia? Und Til, obwohl wir gesucht haben, haben wir das Blatt leider nirgends gefunden. Ich weiß nicht mehr, wo ich noch suchen soll! Was jetzt? Der Brief an Hanah ist abgeschickt. Gosschalk hat sie noch einmal angerufen. Und nun allebeide, unsere besten Grüße, das allerallerbeste und auf Wiedersehen, Poppe und Ditte//

[Seitenrand Blatt 1:] Wie findet Ihr die Briefmarken, oder kanntet Ihr sie schon? Friedensbriefmarken. Tschüß-Tschüß Pop"