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Brief von Kurt Zimmerreimer an Hannah Höch. [o. O.]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Kurt Zimmerreimer

  • TitleBrief von Kurt Zimmerreimer an Hannah Höch. [o. O.]
  • Date05.09.1943
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount1
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 559/79
  • Other NumberBG-HHE II 43.4
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

"B. 5.9.43.
Sehr verehrte Frau Höch!
Nachdem ich nun bereits über 2 1/3 Monate als Soldat auf der Krim hause, möchte ich Ihnen umso lieber ein Lebenszeichen senden, als mich die malerisch reizvolle Landschaft mehr als einmal dazu gebracht hat, Sie hier zu wünschen. Sie könnten mir sicherlich noch für vieles die Augen öffnen, was ich übersehe, obwohl mir schon jeden Tag eine Menge neues auffällt. Erst jetzt merke ich so recht den Mangel einer guten Kamera, dafür suche ich möglichst eindringlich und sozusagen dauerhaft zu sehen. Die eigentliche Küste des schwarzen Meers mit den weltberühmten Bädern Jalta, Livadia usw. war mir freilich bisher noch verschlossen, doch hat sich hier am Nordhang des Jailagebirges manches Ursprüngliche eher erhalten. Die Art meines Dienstes läßt mir verhältnismäßig viel Freiheit und nach anfangs ziemlich starken Umstellungsschwierigkeiten habe ich mich körperlich an das «krasse» Klima gewöhnt.
Wie mag es Ihnen gehen? Hoffentlich werden Sie durch die Luftangriffe in Ihrer Arbeit nicht zu sehr behindert. Hier gibt es eine ganze Anzahl bildender Künstler als Überbleibsel einer ehemaligen sowjetischen Kunstakademie. Die meisten kopieren allerdings nur die zwar in der Tat bezaubernden arabischen Schriftzeichen an den Moscheewänden, ornamentale Wunderwerke, für den Gebrauch der frommen Muselmanen.
Musikalisch ist die Ausbeute leider nur gering. Der orientalische Singsang in den Cafés, auf den Minarets und im Tartarentheater, ohne Anfang und ohne Ende, reizt mein Ohr, ohne es zu befriedigen, russisch[e] Musik aber existiert hier nicht. Das ist einer der Umstände, die mich doch wünschen lassen, von hier fortzukommen, möglichst nach Berlin, wo ich Sie gesund wiederzusehen hoffe. Für heute grüßt Sie mit den besten Wünschen
herzlich
Ihr
Kurt Zimmerreimer