Resultate:  1

[Der Oberdada hat am 26. Juni 1...]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Johannes Baader (1875 - 1955)

  • Titel[Der Oberdada hat am 26. Juni 1...]
  • Datierung26.06.1919
  • GattungManuskripte
  • SystematikTyposkript
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC H 2230/79
  • Andere NummerBG-HHE I 12.34
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung

Baader antwortet auf den Bescheid, der ihm von der 7. Strafkammer des Landgerichts Berlin zugestellt wurde. In diesem Beschluß wird Baaders Aktion im Berliner Dom auf eine »krankhafte Störung der Geistestätigkeit« zurückgeführt, (vgl. Nr. 10.112.)

„Af.26,1215[1]
Der Oberdada hat am 26. Juni 1 die nachstehende Zustellung erhalten:

»43 J. 2263/18
12
Beschluß.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird der Angeschuldigte Schriftsteller Johannes Baader zu Berlin-Steglitz von der Anschuldigung: zu Berlin am 17. November 1918
a) in einer Kirche, nämlich dem Dom zu Berlin beschimpfenden Unfug verübt,
b) durch dieselbe Handlung durch Erregung von Unordnung den Gottesdienst einer im Staate bestehenden Religionsgemeinschaft, nämlich der evangelischen Landeskirche vorsätzlich gestört zu haben,
Vergehen strafbar nach §§ 166,167,73 STGB. - aus dem tatsächlichen Grunde, daß er sich zur Zeit der Begehung der Tat in einem seine freie Willensbestimmung ausschließenden Zustand krankhafter Störung der Geistestätigkeit befunden hat, außer Verfolgung gesetzt.
Die Kosten des Verfahrens werden der Staatskasse auferlegt.
Berlin, den 5. Juni 1919.
Landgericht I, Strafkammer-7.
(gez.) Dr. Weigert, Thienel. Krüger.
Ausgefertigt, Berlin, den 6. Juni 1919.
[Unterschrift unleserlich]
[Stempel]
Gerichtschreiber.«
Der Oberdada hat mit nachstehendem Schreiben geantwortet:
Berlin-Steglitz, 26.6.1.
An die Siebte Strafkammer des Landgerichts 1, Berlin.
Da nach der tatsächlichen praktischen Lage einer Beschwerde gegen ihre mir die freie Willensbestimmung absprechende Entscheidung vom 5. Juni a.c. erfolglos bleiben würde, erhebe ich keine Beschwerde, stelle aber Folgendes, rein sachlich, fest:
Sie haben hier den typischen Fall, daß ein einzelner Mensch mit der gesamten Menschheit ringt. Da sie sich ihm noch nicht gewachsen fühlt, kneift sie. Ihre Entscheidung wird von einer späteren Zeit, die in meiner Totalität ohne Scheuklappe zuhause ist, nicht bestehen bleiben. Im Krieg der Leiber wird dem Kämpfer in der vorderen Frontlinie das Bild der Gesamtlage nur durch das entfernte Hauptquartier vermittelt. Im Krieg der Geister ist die Entfernung der Zeit Bedingung. Aus der Entfernung der Zeit wird der Ruf über alle Welt blitzen: Jener Mensch war der geistige Mittelpunkt der Zeit und bleibt es!//
Baader//
Alles Weitere steht im Handbuch des Oberdadaismus.“ //


[1] Entspricht nach Baaders Zeitrechnung dem 26. Juni 1919, 12.15 Uhr.