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John S. Arndt: Atomzertrennung durch Dynamomaschinen. [o. O.]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Johannes Baader (1875 - 1955)

  • TitelJohn S. Arndt: Atomzertrennung durch Dynamomaschinen. [o. O.]Briefkopf: "Gesellschaft für magnetische Atomzertrennung. Berlin W.8/ 24. Nov. C/1921. GEFMA". Korrekturen von Johannes Baader, Amerkungen von Raoul Hausmann.
  • Datierung24.11.1921
  • GattungManuskripte
  • SystematikTyposkript
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben, handgeschrieben, Briefkopf
  • BeschriftungHandschriftliche Anmerkung von Raoul Hausmann: "Prager Pens. / Przb. 4 A Ehrenburg 5 Uhr".
  • Umfang4 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC H 63/79
  • Andere NummerBG-HHE II 21.72
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
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"Atomzertrennung durch Dynamomaschinen.
Von
Ingenieur John. S. Arndt
Die Welt ist ein Energiemeer. Die in physikalischer Wirkung sich äussernde Energie tritt in zwei Formen auf: in der elektrischen und der magnetischen. Die elektrische Energie ist gebunden an die Gestalt der Elektronen. Elektronen können als negative oder positive Energiebälle, Hohlblasen oder Vollkugeln im Energiemeer angesprochen werden. Sie sind keine «Materie», wie es überhaupt keine Materie gibt, sondern: auf einem bestimmten Raumgebiet in bestimmter Weise wirkende Energie; welche Art zu wirken wir «Körper» nennen. Positive Elektronenbälle lassen sich als Spannungen «positiver», also gewissermassen «stossend» wirkender Energie auffassen. Negative als Spannung «negativer», also «ziehend» wirkender Energie.
Die Urkraft im Energiemeer hat allgemein polaristische Tendenz, d. h. sie ist stets bereit, unter entsprechenden Umständen sich in ihr Gegenteil zu verwandeln, und leistet auf diesem Wege die «Arbeit».
Das positive Elektron ist also korpuskular erscheinende «Plus»-Spannung, das negative korpuskular erscheinende «Minus»-Spannung im Energiemeer. Beide «Spannungskörper» folgen den Gesetzen, die uns als chemische, elektrische, magnetische und allgemein physikalische bekannt sind.
Bilden positive Energie- oder Elektronenbälle mit negativen den bekannten geschlossenen Komplex, der in der Form einem astronomischen Sonnensystem zu vergleichen ist, wobei die Sonne durch den positiven Energieball, die Planeten durch die negativen dargestellt werden, so ist das Atom entstanden.
Wirkt in der Dynamomaschine der magnetische Energiestrom auf die Atome des Kupfers, so zerreisst er ihren Verband und macht die Elektronen-Energie des elektrischen Stroms frei. Die negativen Elektronenbälle sammeln sich am negativen, die positiven am positiven Pol und vereinigen sich mit Blitzgeschwindigkeit durch den Stromkreis bis auf wenige, unterwegs verloren gegangene Elektronen, fast wie ein Bumerang zurückkehrend, wieder in denselben Atomen, die vorher durch den magnetischen Stoss zerstört wurden.
Ein magnetischer Stoss entsteht, wenn eine Masse nicht elektronal-korpuskular differenzierter Energie sich plötzlich in bestimmter Richtung in Bewegung setzt, wobei sie an der Ausgangstelle im Energiemeer eine Art «Loch» lässt, in das sie wieder einströmen muss. Die Ausgangstelle heisst «Nordpol», die Eingangstelle «Südpol». Das sind schlechte Bezeichnungen, die besser ebenfalls durch die Worte «Plus» und «Minus» ersetzt würden. Es ist nicht einzusehen, warum das stossweise magnetische «Plus»-Strömen «Nord»-Magnetismus, das einziehende Strömen des «Minus»-Lochs «Süd»-Magnetismus genannt wird.
Der magnetische Energiestrom tritt regelmässig auf wenn ein Elektronenstrom das Energiemeer in die spezifisch mit der Elektronenstromwirkung korrespondierende Aufregung versetzt. Wie das in der Dynamomaschine geschieht ist bekannt. Der stößt die in den entsprechenden Teilen der Dynamomaschine aufströmende magnetische Energiewallung gegen die atomistisch-elektronal gebaute «Materie» Kupfer, zertrennt ihre atomistisch-elektronale Struktur und erregt so den elektrischen oder den Elektronenstrom, über dessen Eigenschaften schon am Eingang gesprochen wurde.
Die Dynamomaschine ist daher eine Atomexplosionsmaschine und der elektrische Strom ist ein nach den Gesetzen der Elektrizität auftretendes, fortgeleitetes und zusammengehaltenes Explosionsprodukt der Atome, in der Form der Elektronen. Energie wird dabei grundsätzlich auf die gleiche Weise frei, wie bei der chemischen Befreiung der Moleküle durch die Molekularexplosion der Nitratstoffe, oder bei der Ueberführung des festen und flüssigen Agregatzustands der Molekularkomplexe in den gasförmigen. Danach ist die Tätigkeit der Dynamomaschine durchaus eine Parallelerscheinung zur Tätigkeit aller anderen Explosionsmaschinen, nur dass sie im Gegensatz zu jenen auch noch die Wiederbindung der getrennten Energieträger leistet. Denn nichts anderes ist die «Rückkehr des elektrischen Stroms» zu seinem Ausgang. Wobei die Wiederbindungsmöglichkeit geradezu die Voraussetzung für das Eintreten der Trennung abgibt.
Die Dynamomaschine leistet darum schon längst weit mehr als was Rutherford mit seinen berühmten Experimenten in der Glasröhre zuwege gebracht hat [2]. Sie macht die Elektronen aus dem Atomverband frei, bewirkt ihre Wiederzusammenfügung zu den alten, wenn auch «elektrisch verjüngten» Atomen, und lässt auf dem Weg zwischen diesen beiden Stadien die Energie spielen, mit der wir unsere Elektromotoren und Beleuchtungsapparate in Gang setzen.
Die Atomzertrennungsmaschine braucht also nicht mehr gesucht zu werden, sondern ist seit langem in unseren Händen. Und das Problem, das noch zu lösen ist, heisst nur: die Dynamomaschine so auszugestalten, dass eine grössere Explosionsenergie des Atoms zur technischen Wirkung gebracht wird als bisher geschehen konnte. Der Weg dazu dürfte heute gefunden sein. Und zwar zu einer drastig grossen Steigerung der Leistung, dass die praktische Wirkung in der Tat darauf hinausläuft, einen so breiten Zugang zur allgemeinen Weltenergie zu gewinnen, daß der alte Energiespeicher der Kohle überflüssig wird.
Die Gesellschaft für magnetische Atomzertrennung, die in Bildung begriffen ist und eigentlich eine Gesellschaft zur besseren Ausnutzung der magnetischen Atomzertrennung herstellt, hat den an sich recht einfachen Bau von Maschinen für den gedachten Zweck übernommen. Es ist nicht zu bezweifeln, dass die industriell verwertbare Ausführung in kürzester Zeit in den Handel kommen wird. Dann wird die Kohlenfrage endgiltig erledigt und die Grenze der technischen Beherrschung der Natur durch den Menschen um ein gutes Stück weitergerückt sein. Ich glaube nicht zu viel zu sagen, wenn ich wiederhole, dass ich dieses Ereignis sehr bald erwarte.
Mögen sich die politischen Leiter der Staaten auf sein Eintreten besser vorbereiten, als auf den «Weltkrieg», damit nicht ein neues, und noch grösseres Chaos entsteht, sondern vielmehr der endgiltige
Weltfriede."

[1] John S. Arndt, vermutl. gemeinsames Pseudonym von Johannes Baader und Raoul Hausmann; s. Bd. II/1. Abt., S. 35.
Die Annahme, daß es sich hierbei um einen von Baader und Hausmann gemeinsam verfaßten Text handelt, wird auch durch die Erinnerung Adrien Turels [s. 23.30, Anm. 2] gestützt, der von der theoretischen Beschäftigung beider mit der Nuklearphysik berichtet: "Mit Leuten wie den Dadaisten Baader und Raoul Hausmann habe ich durchaus sinnvolle Gespräche geführt. Diese Menschen, die man nur für Clowns halten wollte, begriffen die epochale Bedeutung der Kernphysik weit besser als noch heutigen Tages viele höchst Gebildete."
In: Adrien Turel: Bilanz eines erfolglosen Lebens : Autobiographie. Zürich, 1989. - S. 254.
[2] Ernest Baron Rutherford of Nelson (1871-1937), Physiker; Nobelpreisträger.