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Christus
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitleChristus
  • Date12.3.1917
  • CategoryManuskripte
  • ClassificationTyposkript
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben
  • Amount2 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC H 35/79
  • Other NumberBG-HHE I 9.13
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
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„»Christus«
Die Idee des Welt-Endes ist von Christus nicht als Negation ausgesprochen, diese hat erst das Christentum hineingesehen und gehört. Christus sagte im Gegenteil: der Himmel ist Euch näher als Ihr wisset! und meint damit: die Welt wird enden - im Himmel! Die Idee vom Ende der Welt ist deterministisch, Christus war Indeterminist! Er sah als erster die Verwandlung, das Uberfließen des Einen in das Andere, Allgemeine, des »Bösen« in das »Gute«, der Kausalität in das Göttliche - Frühe, Ungetrübte - das »Christentum« hat Christus nie begriffen!
Christus lehrte nicht Verachtung der irdischen Güter, wenn er sagt: »Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: was werden wir essen? ...
Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird Euch alles zufallen.« Das Reich Gottes in Dir kann nicht das Eindringen von Fragen des äußeren Lebens zulassen - denn dies Eindringen z.B. von Geldfragen bis in Dein Innerstes würde dich zum Beherrschten des Geldes machen, statt zum Beherrscher. Sorget nicht: im unverletzten Innersten: das ist nicht: begegnet nicht dem äußeren, der Notdurft des Lebens - aber das ist: bleibt unerschüttert, im innersten Leben. Begebt Euch nicht der Hilfe, die eben im Innern liegt: die Gerechtigkeit; das Behandeln aller Dinge nach Gebühr. Beugst Du Dich dem Äußeren, so wirst Du Dein eigner Feind.
»Ich aber sage Euch, daß ihr nicht widerstehen sollt dem Übel, sondern so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den anderen auch dar« - Umkehrung, Auflösung des persönlichen Machtwillens, der Gewalt; einzig Macht, hier Stärke aus Balance des unverletzbarsten Innern, dagegen Auflehnung, Weiterwirkung des Handelnden, gleich Widerstand - in Leere fallend. Die Forderung Christi: Erkenne in Dir, was Du bist, gefaßt in die Worte: Tu dem ändern was Du willst, daß Dir getan werde und: liebe Deinen Feind; heute analog der Zwang zum Du; das Ich kämpft gegen Alle zum Leben im Du. Seid Nicht - Ich! Leben, gegen Alle geöffnet: was will Ich im Du? Geöffnet weit gegen Einzel-Ich. Der Kampf geht um den Feind: Ich!
Ich gegen Du, gleich: Alle; Ich bin mein Feind, den ich zwingen will zum Du. Aufhebung der Schuld, (zutiefst ist jede Schuld Meine Schuld) Schuld gleich Schwäche in der Gegen-Hilfe zum Du.
Alles nun, was Ihr wollt, daß Euch die Leute tun sollen, das tut ihr Ihnen auch. - Das ist das Gesetz.“