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Gespräch in der Hölle und [Die Forderung Christi... ]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitleGespräch in der Hölle und [Die Forderung Christi... ]
  • Date24.6.1917
  • CategoryManuskripte
  • ClassificationManuskript
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount2 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC H 87/79
  • Other NumberBG-HHE I 9.31
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
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„Vom 23.6.1917 Gespräch in der Hölle
(wo das Nachlassen der Güte eine Geißel-Kette auf Rücken und Herzen schlägt, Miß-Verstehen, Worte, gebärt; aus Mund und Auge nimmt: Ubereinklang.) Der müde war, und Schutz suchte, Ruhe, sprach: Tu mir nicht, was Du nicht willst, daß Dir getan werde,
Ertönte Antwort: Nichts tat ich, ich war traurig!
Oh Hölle, Falsch-Sicht! Der Müde war zu mutlos, früh genug zu sagen: Ob der Sicherheit in Deinem Garten. In dessen Ecke sitze ich wie in einer Ecke Deines Herzens. Da bin ich als unter Blumen und tröstendem Tau! - War dies die Sünde? Und tauchte dafür auf der Schatten einer Tat, die lange geschehen und vergessen war?
Sie sagte dann: (und glaubte noch bei ihm zu sein) Nichts. Nein, nichts. Nichts. Und sah bei sich: nur Trauer. Fühlte nicht: Verlaß ihn nicht.
Der sich halten will an Dir.
Da redete er nun seine Verlassenheit und Worte mußten aus seinem Munde springen: hilfe, ich ertrinke.
In ihrem Ohr klang: Ertrinke! Du; ich ertränke! Dich, Uns!
Ihr getäuschtes Ohr ließ ihr Herz beben - sie neigt sich, will Güte - nutzlos; gleich springt wieder Kluft, - wohin verlorne Garten-Ruhe! Zerreißend bäumt auf: Glaube an Haß, der Wolf! Wolf in meinem Garten! - Garten, still gewesen! Blumen täuben Gift! Ersticken!
Und dann beginnt Flucht, endloser Weg; weiter; und beginnt schlaflos - brennend Glühen im Garten, der der Ruhe verlor - Die Ketten, Ketten, knicken Blumen, knicken Trauer,
Würgen [Reihen] im Beidern [Sichern]
Oh Weg in der Hölle.“

[Das Manuskript [Die Forderung Christi...] entspricht dem zweiten und letzten Absatz des Manuskripts Christus (vgl. BG-HHE I 9.13).]
"Die Forderung Christi: Erkenne in Dir, was Du bist, gefaßt in die Worte: Tu dem ändern was Du willst, daß Dir getan werde und: liebe Deinen Feind; heute analog der Zwang zum Du; das Ich kämpft gegen Alle zum Leben im Du. Seid Nicht - Ich! Leben, gegen Alle geöffnet: was will Ich im Du? Geöffnet weit gegen Einzel-Ich. Der Kampf geht um den Feind: Ich!
Ich gegen Du, gleich: Alle; Ich bin mein Feind, den ich zwingen will zum Du. Aufhebung der Schuld, (zutiefst ist jede Schuld Meine Schuld) Schuld gleich Schwäche in der Gegen-Hilfe zum Du.
Alles nun, was Ihr wollt, daß Euch die Leute tun sollen, das tut ihr Ihnen auch. - Das ist das Gesetz.“

Christus lehrte nicht Verachtung der irdischen Güter, wenn er sagt: »Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: was werden wir essen? ...
Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird Euch alles zufallen.« Das Reich Gottes in Dir kann nicht das Eindringen von Fragen des äußeren Lebens zulassen - denn dies Eindringen z.B. von Geldfragen bis in Dein Innerstes würde dich zum Beherrschten des Geldes machen, statt zum Beherrscher. Sorget nicht: im unverletzten Innersten: das ist nicht: begegnet nicht dem äußeren, der Notdurft des Lebens - aber das ist: bleibt unerschüttert, im innersten Leben. Begebt Euch nicht der Hilfe, die eben im Innern liegt: die Gerechtigkeit; das Behandeln aller Dinge nach Gebühr. Beugst Du Dich dem Äußeren, so wirst Du Dein eigner Feind."