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[Der innere Mensch ...]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • Title[Der innere Mensch ...]
  • Date10.12.1917
  • CategoryManuskripte
  • ClassificationTyposkript
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben
  • Dimensions33,7 x 21 cm (Blattmaß)
  • Amount2 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 73/79
  • Other NumberBG-HHE I 9.58
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

„Der innere Mensch, das aus dem Urgrund der Wesen geborene Ethos - Idee der Verantwortlichkeit des Einzelnen über sich hinaus zu Allen und Jedem bestimmt den Staat, die Außerungsform, nicht umgekehrt. Die innere Stellung des Menschen zu sich selbst, Erkenntnis der schöpferisch eigenen Autorität allein kann als ethisches Bekenntnis die Allgemeinidee, Formung des Gemeinschaftswesens hervorbringen. Ob ich, der Einzelne, wisse wie, weshalb ich Alle bin, das ist das einzige Ethos - aus seiner graduell verschiedenen Stärke und Bewußt- werdung entsteht alles. Ob aber dieses Moment innerhalb unserer bleibt, verankert ist als das Höchste des Willens zum göttlich, überpersönlich lebendig Eigenen oder außer uns projeziert als bloße Statik, Erstarrung eines Bewußtseins des Fremden, des blanken Gewaltwillens zur Macht, dies entscheidet über die Wahrheit, Wahrhaftigkeit einer Gemeinschaft, eine Form des Staates. Der Konflikt des Eigenen und Fremden, der Isolierung und Anpassung der die einzig entscheidende Triebfeder alles Handelns, alles Wollens ist - dieser Konflikt liegt zuerst in uns, in der Stellung zur Urform des Staates, der höchstwertigen Idee bisher von Gemeinschaft: in der Familie ist unsere Entscheidung zur Lösung dieses Konfliktes gefesselt. Die Vaterrechts-Familie: Vorherrschaft der Gewalt, der überwerteten Mannidee, die Stellvertretung, Fälschung des Ethos, Gottes, in ein bedingtes Wesen: Adam, Mann, Vater, König. Daraus erhellt ohne weiteres in der weitesten Formung des Staates, als überpersönliche Idee, die Herrschaft der blinden autoritativen Gewalt, der Gewalt des Außer-Uns, des Fremden, des Scheines: als wäre unsere innerste Autorität, unsere innerste Beziehungsform zu allen Menschen in der Tat durch einen sterilen Begriff, eine Täuschung vollkommen genug erfüllt und ausgedrückt. In dieser Täuschung aber liegt die Auflösung des eigenen Verantwortlichkeitsgefühls gegen alle: sie führt geraden Weges zu der Ausleerung des eigenen Gewissensdranges bis zu blinder Unterordnung unter den Zwang des Fremden. Sie löst das Ethos auf, das in der eigenen immer wiederkehrenden Erkenntnis Verantwortung liegt. Diese Ausleerung des innersten Wesens, der innersten Verantwortungsloserklärung des Menschen durch die Subordinationsidee, Minderwertigkeitsidee, den Militarismus im heutigen Staat ist eine Selbsttäuschung des Menschen, ein Versuch, mit negativen Mitteln etwas Positives zu gestalten: die höchste Form des Da - Seins: Gemeinschaft.
10. Dezember 1917.“