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[Schlechte Unterscheider...]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • Titel[Schlechte Unterscheider...]
  • Datierung05.12.1915
  • GattungManuskripte
  • SystematikManuskript
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang2 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC H 91/79
  • Andere NummerBG-HHE I 7.9
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
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„»Schlechte Unterscheider sind daran kenntlich, daß sie die wahre gegenseitige Polarität des Unterschiedes irgendwie in Eins werfen.« (S.Fr.)[1] Gerade diese in Eins geworfene Beschränkung der Unterscheidungen setzten Polaristen wie Goethe und Nietzsche als Hauptforderung dem schöpferisch gestaltend Sehenden, dem Künstler. Hier ist aufzudecken: man gestattete der Malerei und Plastik durch Jahrhunderte nur eine kausal-vernünftige Rolle, die man der Musik als einer der »Natur« im organischen, als Gebilde nur analogen, nicht gleichen Kunst, nie zugemutet hätte - - man fordert Nachbildung der Welt, eben ihre Beschränkung, »Objektivität«, stellte dem Sehend-Erkennenden die Falle des »organischen, d.h. symmetrischen« Schaffens (der griechische Künstler), statt ihm das Recht der wahren Kontraste, der Polarisierung zuzugestehen. Friedlaender sagt: Zweifelos sind die Urphänomene sämtlicher Sinne aller Unterschiedenheit polar gegenseitig angelegt, und ohne dieses heuristische Prinzip der Polarität entbehrt alle Empirie, die ihr wesentliche Möglichkeit abgerundeter Totalität und Harmonie; er weist auf Goethes Verkehr mit Farben, Tönen, hin - gerade Goethe aber verleugnete seinen »echt unterscheidenden Doppelblick« in den Forderungen, die er in den Propyläen2, im Sammler und den Sei- nigen3, in Wilhelm Meisters Wanderjahre für die bildende Kunst aufstellte, - er verbog, verlog diesen Doppelblick in eine falsche Einfachheit, in lauter sittliche, moralische, vernünftige, letzten Endes bürgerliche Forderungen, und Nietzsche tuts ihm hier nach. Im Willen zur Macht wird gar diese einseitig gerichtete Kunst «allerhand Halbheiten, wie Romantik« gegenübergestellt - als aus Rauschzuständen kommend definiert. -
Sobald man nur einsieht, daß »der [Funktionär in] der Welt, ...«
Fr. 889.[4]"

[1] Zitat aus: Salomo Friedlaender: Nochmals Polarität oder vom Wesen des Unterschiedes. In: Der Sturm. 6. 1915/16. S. 88f.
[2] Propyläen: Eine periodische Schrift. / hg. v. J. W. v. Goethe. 1789-1800
[3] J. W. v. Goethe: Der Sammler und die Seinigen. In: Goethe: Werke Bd. 20. Stuttgart, Tübingen: Cotta, 1815-1819.
[4] Fr. 889 bezeichnet den obengenannten Artikel von Friedlaender.