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[Die Summe des Erlebens...]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • Title[Die Summe des Erlebens...]
  • Date18.01.1919
  • CategoryManuskripte
  • ClassificationManuskript
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount1 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC H 84/79
  • Other NumberBG-HHE I 12.2
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

„Die Summe des Erlebens, der Technik des Seins ist Weltvermögen. Nicht nur das ökonomische Weltvermögen hat eine natürliche Grenze in der Zeit, auch das Ich ist in einem Weltvermögen geistiger Art begrenzt; beide Complexe stehen in einem bestimmten Abhängigkeitsverhältnis zueinander und zum Ich, dessen grundlegende Begleitumstände sowohl im ökonomischen wie im geistigen Weltvermögen beschränkt und bestimmt sind. Die Äußerungsform des Ich, der Wille zur Macht, ist die Steigerung der ökonomischen und geistigen Profitrate. Die Abwicklung der technischen Inscenierung dieses capitalitischen Ich steigert die Gier, den Besitzstatus, bis an den Rand des ökonomischen und geistigen Weltvermögens. Die Forcierung der ökonomischen und geistigen Überproduktion führt nicht durch tote Arbeit (maschineller oder geistiger Mechanisierungen) zum Sinken der Profite; der rationelle Widerspruch liegt in ihrer Steigerungsfähigkeit bis dicht vor dem Zusammenbruch, wenn nämlich die Unverwertbarkeit der auf gestapelten toten und auf der Ausbeutung der Massen beruhenden Gebrauchswerte ökonomischer (und geistiger) Natur soweit gediehen ist, daß beinahe alle vom kapitalistischen Ich zu einer bestimmten Lebensund Erlebenstechnik, zu bestimmten Kompromißbildungen der von diesem Ich diktierten Unwerte gezwungen sind, so daß sich die profitbehaftete Überproduktion und die beiderlei Weltvermögen beinahe aufhebend verhalten. Aber in dem Augenblick, in dem Weltvermögen und Ausbeutungsstatistik sich aus- gleichen, ist der Zusammenbruch des materiellen und geistigen Machtwillens sicher. Denn weder die geistige noch die ökonomische Profitrate ist beliebig steigerbar, an einem Punkte muß das Ich, sein Machtwille, sich gegen sich selbst kehren. Das Recht, (wie andre moralische Begriffe) entspricht immer vollkommen dem Verhalten des Ich zu seinen grundlegenden Ausdehnungsfähigkeiten; erst wenn das Ich die Unrentabilität des Machtwillens der Verfälschung seiner Gegenläufigkeit in Fremdautorität erkennt, mit seiner Begrenzung gegen alle vertraut ist, wird es sich zum Du willkürlos einstellen können. Nach der Ausgleichung der ökonomischen Unterschiede durch den Kommunismus hört das bürgerliche und jedes andre Recht auf, ebenso wie dann der Staat aufhört. Trotzdem aber wird die Gleichgewichtstechnik, die Umlaufsbahn der Äußerungen des Ich um das Ich, als notwendiger Apparat des Lebens, nicht aufgehoben werden und es zeigt sich die Gleichsetzung von Recht und Staat als Stabilisierungszwang des Ich, (gegenüber allem Du.) Die blinde Leitung durch einige Instinkte wird vom Wissen um die eigne Gegenmacht abgelöst, daß im Zerstören nie weit genug gegangen werden kann, daß immer ein Zwang zum Zusammenhang und Zusammenfassen bleibt; ein Wissen, in dem ich über jede Idee, über jeden Begriff sein werde. Das Ich zum Du, heute bloßer Ablauf einer Confliktstel- lung, wird zur sicheren Gesetzmäßigkeit der sich fortwährend gestaltenden Ich- kompromisse als Du-erleben. Der Versuch einer Conventionslosigkeit führt zum Erleben, ohne entschuldigende Ideen wie Recht, Unrecht, Gut, Böse; zur Technik der Ich-Welt als Ein- und Umschaltung des centralen Seins.
18.1.19“.