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[Aus Nietzsche...]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • Titel[Aus Nietzsche...]Briefkarte mit Briefkopf Club Dada.
  • Datierung[Mitte 1919]
  • GattungManuskripte
  • SystematikManuskript
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC H 37/79
  • Andere NummerBG-HHE I 12.23
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

„Aus Nietzsche (zu meinen »Werken«)
»Weshalb zieht der Mensch das Wahre dem Unwahren vor (...) Aus dem gleichen Grunde, aus dem er die Gerechtigkeit im Verkehr mit wirklichen Personen übt: jetzt aus Gewohnheit, Vererbung und Anerziehung, ursprünglich, weil das Wahre nützlicher und ehrbringender ist als das Unwahre. Denn im Reich des Denkens sind Macht und Ruf schlecht zu behaupten, die sich auf dem Irrtum oder der Lüge aufbauen (...) Sein Werk ist ihm zu seinem Ego geworden, er schafft sich selber ins* (...) allem Trotz bietende um; sein unermeßlicher Stolz ist es, der nur die besten, härtesten Steine zum Werke verwenden will (...) darin hat das seltsame Phänomen seine Wurzel welches ich ›intellektuales Gewissen‹ genannt habe.«[1]

(siehe Erde Heft 8, und das heutige Manuscript.)[2]

»die Einsicht in die strenge Notwendigkeit der menschlichen Handlungen ist die Grenzlinie, welche die philosophischen Köpfe von den anderen unterscheidet (...) der Irrtum steckt nicht nur im Gefühl ›ich bin verantwortlich‹ sondern ebenso im Gegensatz ›ich bin es nicht, aber irgendwie muß es doch sein‹. Dies eben ist nicht wahr: und der Philosoph hat also zu sagen, richtet nicht!, und der letzte Unterschied zwischen den philosophischen Köpfen und den ändern wäre der, daß die ersteren gerecht sein wollen, die ändern Richter sein wollen.
Ihr meint, das Kennzeichen der moralischen Handlung sei die Aufopferung? - Denkt doch nach, ob nicht bei jeder Handlung, die mit Überlegung getan wird, Aufopferung dabei ist, bei der schlechtesten wie bei der besten.«[3]“


[1] Friedrich Nietzsche: Menschliches - Allzumenschliches: Ein Buch für freie Geister. Zweiter Band. 25 Tsd. Leipzig, 1916. (Nietzsche: Werke: 1. Abt., Bd. 3). S. 25.
[2] Das Heft 8 der Zeitschrift Die Erde erschien am 15. April 1919. In diesem Heft ist der Aufsatz von Raoul Hausmann: Der Besitzbegriff in der Familie und das Recht auf den eigenen Körper abgedruckt.
[3] F. Nietzsche. A. a. O. S. 31ff.