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Berliner Kunstsommer
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Lothar Brieger (1879 - 1949)

  • TitleBerliner KunstsommerZeitungsausschnitt [Quelle unbekannt]. Mit handschriftlicher Anmerkung von Hannah Höch.
  • Date[1925]
  • CategoryDruckerzeugnis
  • ClassificationZeitungsausschnitt
  • MaterialPapier, gedruckt
  • InscriptionHandschriftliche Anmerkung von Hannah Höch: "Bezieht sich auf «Roma und die «Journalisten. Mies v. d. Rohe empfahl sie der städtischen Ankaufskomission - aber Herr Balluscheck redetes davon ab."
  • Amount1
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHE II 25.54
  • Other NumberBG-HHE II 25.54
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
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Additional Reproductions

Zeitungsausschnitt [Quelle unbekannt].

"[...] Die Ausstellung der «Novembergruppe» in der Berliner Sezession am Kurfürstendamm ist ganz ohne Zweifel die einzige wirklich bedeutende und interessante Kollektivausstellung, die wir in diesem überreichen Kunstsommer in Berlin haben.
Die Novembergruppe hat früher im Moabiter Glaspalast ausgestellt, wo sie kaum recht hingehörte. Jetzt hat sie sich entschlossen, selbständig das Urteil herauszufordern. Und sie hat außerordentlich recht daran getan. Es kommt nun wirklich sehr wenig darauf an, ob man die eine oder andere Sache komisch findet - und einzelne Arbeiten, wie z. B. die der Hanna Höch, sind wirklich nicht viel mehr als eine ziemlich geschickte Mache anders herum" [hs. Unterstreichung von Hannah Höch]. Man kann auch sehr wohl wissen, daß das eine oder andere Bild Courbet oder Thoma oder sonst ein Vorbild besser gemalt haben. Nicht auf solchen Einzelheiten beruht das Schwergewicht dieser außerordentlichen Ausstellung, sondern auf der bedeutenden, weittragenden und geradezu leidenschaftlich disziplinierten Erkenntnis, daß Kunst eben nicht mit Malerei identisch ist, und daß die künstlerische Physiognomie eines Zeitalters durchaus nicht, wie die meisten unserer mit Tradition überlasteten Zeitgenossen noch immer glauben, von der Malerei bestimmt werden muß. Innerhalb der Novembergruppe beugt sich die ganze Kunst mit Entschiedenheit und mit vollem Bewußtsein unter die konstruktiven Gedanken einer neuen Architektur und erkennt in ihr die Führerin zu einer neuen Kunstsprache. Es ist ungeheuer schwierig, dem Laien klarzumachen, wieviel zu solcher Disziplin gehört, wieviel Schmerz, wieviel Umlernen, wieviel Vertrauen in eine vielleicht ferne Zukunft hierzu nötig sind. Unter solchen ernsten Gesichtswinkeln sollte man diese Dinge betrachten, auch wenn man selbst aus einer anderen Anschauungssphäre herkommt.
Natürlich ist es unter solchen Umständen, daß die Architektur in der Ausstellung dominiert und führt. Aeltere Arbeiten von Hans Poelzig geben den Auftakt der ganzen Abteilung. Interessant ist das Schema einer Hochhausstadt von Ludwig Hilbersheimer. Nur fehlt ihm ganz auch die eigentlich konstruktive Phantasie, diese Stadt würde maßlos langweilig sein. Mehr Laune und mehr Einfall treffen wir bei Artur Korn, sein Entwurf eines Geschäftshauses steckt voll seinem Sinn für den Wechsel im Spiel der Formen. Kosina, Gropius, nicht zuletzt Nisitzki, sind bei aller amerikanischen Anregung Menschen von eigener Phantasie und Deutungsfähigkeit. Unter den Plastikern verdienen zwei Köpfe von Abbo und Belling Beachtung. Alles in allem eine Ausstellung, die als Geschmackserscheinung voll stärkster Spannkraft ist, die ein Bewußtsein von dem notwendigen inneren Zusammenhang zwischen allgemeiner Kultur und Kunst verrät, das leider Gottes der Mehrzahl unserer künstlerischen Produzierenden seit langem verloren gegegangen ist. Wenn wir uns endlich gewöhnen würden, Kunstwerke nicht als eine Museumsangelegenheit, sondern so anzusehen, wie Menschen menschliche Spannungen betrachten sollen, würde die Ausstellung der Novembergruppe nichts so Vereinzeltes mehr bei uns sein [...]"